Während das Volk – qualifiziert oder unqualifiziert – zur Kenntnis nahm, dass mittlerweile zwei Bundesräte zurücktreten und dies mehrheitlich begrüsst, wohl in der Annahme, dass neue Bundesräte aus dem politischen Saustall, den wir unterdessen haben, ein gemütliches, allen dienendes Mehrfamilienhaus zimmern können, versucht sich einerseits der politische Saustall, wie auch die Medien mit allerlei Kritiken zu profilieren.
Die SVP will mehr Bundesräte, nachdem sie eine der ihren (damals waren es ja noch zwei), so mir nichts, dir nichts aus ihrem Parteibüchlein gestrichen haben, der Chef der CVP moniert – wie immer in den letzten Jahren – ein bisschen hüsch und hott. Einfach der Medienpräsenzes Willen. Die Grünen erheben derweil einfach auf jeden frei werdenden Bundesratssitz ihren Anspruch. Die FDP schmiedet Strategien, wie sie dank der Mithilfe der SVP ihre Sitze behalten kann und lässt sich freimütig hintergehen. Derweil die SP, ebenfalls ohne klares Profil, ständig davon träumt, ebensoviele blinde Wähler in ihren Bann ziehen zu können, wie es die SVP dank Windeln-Populismus perfekt auf tiefstem Niveau beherrscht.
Kurz zusammengefasst (und Ausnahmen einmal nicht berücksichtigt), sobald ein normaler Mensch mit dem Attribut “PolitikerIn” versehen ist, beginnt der Ego-Kampf der persönlichen Profilierung und der gegnerischen Verunglimpfung.
Dabei sollte zumindest unsere Generation – und unsere Eltern noch mehr – bewusst sein, dass eine Gemeinschaft nur funktionieren kann, wenn man ein bisschen mehr oder weniger seiner eigenen Ansprüche aufgibt um damit die Ansprüche der Gesamtheit zu stärken.
Dass eine geeinte Gemeinschaft mehr Kraft hat, sich gegen innen und gegen aussen zu bestätigen, dies könnten wir evolutionstechnisch jederzeit in der Tier-, wie auch Pflanzenwelt abschauen.
Nur, Toleranz gegenüber meinem Nachbarn, wie auch gegenüber mir selbst ist ein unbrauchbares Relikt aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts – so meint man. Komisch – wir bilden immer mehr Gemeinschaften, sind aber nicht bereit als Teil der Gemeinschaften zu funktionieren. Als Gemeinschaftsgläubiger bin ich zwar durchaus für die Gemeinschaft, aber nur, wenn die Gemeinschaft bereit ist, mir meine ganz persönlichen Ausnahmen zu bewilligen. Die Voraussetzung, dass ich eine “Ausnahme” bin, ist sozusagen die Mitmachbedingung in einer Gemeinschaft.
Und während der Normalbürger trotzdem mit einem Funken Vernunft ausgerüstet ist und gelegentlich dazu bereit wäre, Toleranz anstatt Selbstprofilierung zu zeigen, prescht eine weitere Macht in unser Leben, welche noch vor wenigen Jahren ebenfalls (zumindest grossmehrheitlich) Respekt als eine ihrer obersten Maximen vertrat. Die Medien. Die Qualität der Medien wurde daran gemessen, wie geschrieben wurde, wie umfassend ein Thema abgehandelt wurde und mochte ein Medium noch so tendenziös gewesen sein – man klärte auch über die Qualitäten des “Gegners” auf.
In die Hände der Medien spielte, dass wir Menschen unser Informations- und Wissensbedürfnisses auf 160, respektive 140 Zeichen reduziert haben und der Meinung sind, aus ein paar Wörtern eine umfassende Information generieren zu können. Die Schlagzeile musste unsere Haltung definieren, was danach als Artikel geschrieben wird, muss kurz und prägnant sein, damit es noch in unser 160 Zeichen-Karteikästchen passt. Ebenfalls hilfreich ist, dass wir an permanenter Reizüberflutung leiden und die einzige Möglichkeit, in dieser Reizüberflutung Menschen zu finden, die auf bestimmte Reize reagieren, ist die, Reize krasser, angriffiger, grossmauliger, absurder oder unverständlicher zu machen. Nur so können Medien (scheinbar) heute noch überleben.
Damit wir uns im Einheitsbrei der Schlagzeilen-Rufer trotzdem noch für ein Medium entscheiden (können) – muss es sich wiederum mit noch angriffigeren, unmöglicheren, absurderen oder phantasievolleren Schlagzeilen von den anderen Medien abheben. Dies hat dann nichts mehr mit qualifizierter Information (eher mit abstruser Manipulation) zu tun.
Nur so lässt es sich erklären, dass es noch immer unsere Parteienlandschaft gibt und die Medien im Kampf um unsere Gunst überhaupt noch Konsumenten hat. So würde es nicht nur der Schweiz, aber auch der Schweiz gut tun, wenn man die ganze Struktur hinterfragen würde.
EDIT: Hätte ich den Artikel nicht heute früh geschrieben und gegen Mittag veröffentlicht, so könnte man mir ja vorherseherische Fähigkeiten anlasten – so darf man schlichtwegs konstatieren, dass das Affentheater auf der Politbühne, dirigiert von den Medien, munter weitergeht.
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