Ich werde alt

Nicht, dass ich mich so fühle, aber irgendwie wird mir fast täglich vorgegaukelt, dass ich zum alten Eisen gehöre.

  • DRS3: Immer mehr Spätpubertierende schwafeln in einem verkappten Züri-Deutsch. Es ist fast so, dass sich Madame Göpferli geklont hat und nun bei einigen Neumoderatorinnen und einem Neumoderator eingenistet hat. Irgendwie bin ich definitiv aus dem Bereich des Zielpublikums gefallen, wenn ich dem Tweeny-Gesülze zuhöre, welches über den Äther geht. Mittlerweile sind auch fast alle Charakterstimmen verschwunden und es gibt Tage, da hat man den Eindruck, es schwafle von frühmorgens bis spätabends das gleiche Piepsstimmchen am Mikrofon. Das wird eigentlich nur noch überboten, wenn Mister Vulgär am Mikrofon Platz nimmt. Nicht meine Sprache. Was ich nicht weiss, ist wie sich die “Väter” und “Mütter” im DRS3-Team fühlen müssen bei soviel Naivität.
  • Twitter: Spasseshalber habe ich schon den einen oder anderen Twitterer auf Twitter kurz besucht. Mein Fazit bei allen besuchten Twitteraccounts, die ich bis jetzt gelesen habe, ich verstehe die @’s und #’s nicht und was zwischendurch in Wortfetzen weitergegeben wird, meist noch weniger. Wie man da noch Hunderten von Twittern folgen kann und von unzähligen Followers verfolgt wird. Was ich noch weniger verstehe ist, wie man solche literarische Ergüsse wie: “Draussen ist es heiss, ich will ein Eis” – “Sssseissee, ist das ssssaarf….” – “Dasischabernedguetso” der Welt mitteilen muss und wieso man sowas lesen sollte.
  • Twitter 2: Es ist übrigens nicht unbedingt eine Krankheit von Twitter- oder Facebook-Menschen mit Hunderten von “Freunden”, dass diese Menschen, sollten sie jemanden in der Realität treffen, jedes Augenzwinkern als Heiratsantrag interpretieren. Anderseits gibt es solche Menschen. Ich mag mich noch erinnern, wie ich Bauklötze staunte in den 80er Jahren, als jemand mit einem “Reisekoffer” daherkam, um dann draussen im Juhee zu telefonieren.  Wobei im Juhee hatte man noch gar keinen Empfang. Mitte der 90er Jahre kam das NatelC-Netz in der Schweiz, heute nutzen wir das Mobile nicht mehr, sondern lassen uns vom Handy versklaven.
  • CO2-Kompensation: Ich betreibe ein bisschen Umweltschutz, wenn ich übers Wochenende nach New York shoppen gehe, indem ich Franken XY bezahle – damit verpflichtet sich jemand anders, genau mein leichtsinnig verursachtes CO2 einzusparen. Wesentlich effizienter wäre es allerdings, wenn ich weniger CO2 produzieren würde und am anderen Ende der Welt der CO2 Ausstoss ebenfalls gesenkt würde.
  • Coop und Migros senken (auf Druck der Konsumenten) auf gewissen Produkten ihre Preise und geben so einen Teil angeblich den gesamten Preisvorteil weiter. Coop und Migros (und die anderen) brüsten sich dann damit, dass sie für uns Kunden alles mögliche unternehmen, damit wir die Preisvorteile (Preissenkungen) auch gebührend loben. Wenn ich es mir ein bisschen genauer überlege, sagen auch (fast alle) PolitikerInnen, dass sie sich für das Wohl des Bürgers einsetzen. Wobei sich Bürger in etwa so definiert: Jahreseinkommen mindestens 500’000.–, Vermögen: mindestens ein paar Millionen.
  • Ich nerve mich (und reklamiere gelegentlich) über Weihnachtsprospekte im Sommer, “Marktfrische” als Fix-Fertig-Gericht und weitere Konsum-verdepperung. Da bin ich aber vollkommen “out”.
  • Der Tagesanzeiger will mir in regelmässigen Abständen ein neues Abo verkaufen – meist mit den Argumenten der “Leserfreundlichkeit”; kürzere Artikel, mehr Bilder, einfachere Struktur. Die merken einfach nicht, dass ich für 20Minuten im Grossformat nicht 400.– Franken bezahle. Ausführliche, gut recherchierte Artikel und ein bisschen anspruchsvolle Wortwahl entspricht nicht dem Leserbedürfnis.

Ach ja – wären da nicht zahlreiche graue Haare, würde ich obige Tatsachen einfach ignorieren.

Ähnliche Beiträge

2 Kommentare

  1. Phil Laube
    Geschrieben 1. September 2011 um 20:05 | Permalink

    Fehlende Charakterstimmen, wie Recht Du hast! Marietta Tomaschett zum Beispiel ist wieder wie vom Erdboden verschluckt, Mona Vetsch kümmert sich um ihre Familie und Caro Lüchinger hört man auch eher selten.
    Tatsächlich vermag keine einzige Neubesetzung bei DRS3 (Villiger, Hönegger, Lanzi) zu überzeugen. Das hat nebst mangelndem Talent auch viel mit nicht vorhandener Lebenserfahrung zu tun. Man textet uns täglich mit nichts sagendem Geschwafel zu, ohne Vermittlung von irgendwelchen tiefgreifenden Inhalten, und Witz sowie echten Humor gibt es ohnehin nur noch am Sonntagmorgen. Sogar Anic Lautenschlager – trotz toller Leistung beim letzten JRZ – halte ich mittlerweile für eine Fehlbesetzung für den Weckdienst, der seit dem Time-out von Vetsch und Wernli (?) ohnehin markant an Qualität eingebüsst hat. Zum Glück ist am frühen Morgen hin und wieder die Stimme der Strahlefrau Christina Lang zu hören. Unter diesen Gesichtspunkten hat sich die Auswechslung von Meret Boxler bislang tatsächlich nicht “gelohnt“.

    Aber wir haben ja zum Glück noch immer den Sonntag mit Reeto von Gunten und seinem stetigen Dialog mit dem Publikum. Die gute Frau Hönegger beispielsweise hat meines Wissens auch eine Schauspielschule besucht, wäre aber nie und nimmer zu so etwas fähig. Kein Sonntag vergeht, an dem der aufmerksame Hörer nicht mindestens eine Botschaft erhält oder die Menschen mit subtilen Aussagen und teils bissigen Kommentaren zum Nachdenken angeregt werden. Auch ich verstehe hin und wieder erst im zweiten Anlauf den Sinn seiner nicht zufällig gewählten Worte. Welch ein Kontrast zu den Piepsstimmchen, die das Land überhaupt nicht braucht. Leider muss man sich Reeto jeden Sonntag hart verdienen, indem man vor 7 Uhr aus dem Bett kriechen muss um nichts zu verpassen. Und spätestens bei der Sonntagsmusik weiss man, dass bald wieder 7 lange Tage ohne ihn bevorstehen.

    Mister Vulgär? Arbeitet dieser Herr meistens im Vorabendprogramm?

  2. Geschrieben 1. September 2011 um 22:46 | Permalink

    Judith Wernli ist auch schwanger – war es schon vor der Hochzeit. Ihre Abwesenheit kann damit zu tun haben, obwohl es “irgendwie” noch nicht ganz Zeit wäre. Vielleicht hat sich Mario Torriani ins Fäustchen gelacht und gesagt: “Passt auf, ihr kommt noch vom Regen in die Traufe” und so die Neuen ausgewählt. Ehrlich gesagt, habe ich manchmal bei allen den Eindruck, dass die – wenn überhaupt – sehr wenig Wissen. Oder anders gesagt, dass Allgemeinwissen hört nach Vor- und Nachnamen und ein paar wenigen Informationen über “Bands” auf. Nichts, nada. Mangelnde Lebenserfahrung ist nur bedingt eine Ausrede mit 30 Jahren – es scheint schon eher, wie die – entwicklungsmässig – allesamt ein Jahrzehnt zurückgeblieben sind.
    Radiomoderator – wie viele andere Berufe auch (z.B. Krankenpflege usw.) ist sowieso weniger ein Beruf, wie eine Berufung. Lernen kann man es höchstens in sehr geringem Masse, dafür muss man sich – imaginär – die vielen Tausend ZuhörerInnen vorstellen, mit denen man beinahe ein Zwiegespräch führt. Was nichts anderes bedeutet, wie dass man den Zuhörer “abholen” muss. Ans Radio fesselt. Die Musik ist tagsüber(was mir nicht ungelegen kommt) Easy Listening. Wenn aber der/die ModeratorIn in den Hintergrundgeräuschen verschwindet, sollte man sich nicht hinter ein (Radio-)Mikrophon setzen. Deswegen würde ich auch nie einen Radiomoderator ans Fernsehen zwingen (3 auf zwei).

    Ja, der RvG ist für den Sonntagmorgen tatsächlich wie die Butter für das Brot. Und natürlich ist es fast schon unfair, ihn mit den Frischlingen zu vergleichen. Das Geheimnis liegt darin, dass er so ist, wie er ist und die ZuhörerInnen deswegen zuhören und nicht, weil man einfach das Radio eingeschaltet hat. Und dass man, wenn man die Fähigkeit dazu hat, dem Publikum auch noch etwas mitteilt, was erst auf den zweiten Gedanken einen Sinn macht, ist einerseits hohe Kunst und anderseits ein gesundes Selbstvertrauen.

    Mister Vulgär pflegt die Fäkalsprache und kommt nicht aus Zug. Und ja, am Vormittag hab ich ihn wohl noch nie gehört.

Kommentar schreiben

Ihre E-Mailadresse wird nie publiziert. Diese Felder sind zwingend *

*
*