Wenn man am 1. August eingeladen ist (auch wenn es bei der Partnerin ist), bringt man etwas mit. Da Sonnenblumen momentan gerade aktuell sind und auch geschätzt werden, hielt ich als fahnenflüchtiger Hünenberger auf dem Weg durch den Rüeblikanton beim aargauischen Lieblingsblumenfeld an, um mir ein paar dieser gelben Blüten zu schnappen.
Gerade als ich mit meiner Frischschnittblumentat fertig war, fuhr der Blumenfeldbauer ebenfalls vor seine blühenden Pflanzen und sagte, mit einem Blick auf meine Sonnenblumen: “Die dürfen sie nicht nehmen!”
Ziemlich erstaunt muss ich ihn wohl angeschaut haben – ich war ja auch perplex. Ich hatte ja die Blumen geschnitten und wollte sie auch bezahlen. Habe ich sie etwa vom falschen Feld geschnitten? War ich als Nichtaargauer identifiziert und würde ich des Blumenfeldes verwiesen? Nein.
Die Erklärung, dass die Sonnenblumen auf den Kompost gehören, tönte zwar relativ harmlos im Vergleich zu meinen Gedanken, war mir aber gänzlich unverständlich, da ich die Blumen soeben frisch geschnitten hatte. Als er mir auch noch ein paar neue Sonnenblumen organisierte und mit ein zwei Handgriffen (und ein bisschen Grünzeugs) zu einem Strauss zusammenband, wollte ich es doch genauer wissen.
Die Erklärung war relativ einfach: Je kleiner der äussere Blütenkranz (siehe oben das Symbolbild) noch ist, desto länger hält die Sonnenblume. Danke Bauer, nun bin ich schlauer.
Nach einem feinen Nachtessen in einer Gemeinde im Aargau, die praktisch für nichts Geld hat, (Keine Schullager, nur alle 2 Jahre ein Jugendfest, usw., usw.) Einschub – Gemäss Statistik des Kt. AG haben 29 Gemeinden einen Gemeindesteuerfuss von 120 – 129 %, 72(!) einen solchen von 110 – 119 % und 58 einen Steuerfuss von 100 – 109 % – am anderen Ende der “Rangliste” liegt Döttingen, mit unschlagbaren 60 % – Einschub Ende besuchten wir noch die offizielle Bundesfeier. Dank dem, dass Brugg sich partnerschaftlich dem Windischer Amphitheater und gelegentlich auch der Gemeinde selbst annimmt, ist die Bundesfeier Brugg-Windisch seit geraumer Zeit ein kultureller Höhepunkt der Region.
Gefeiert wird im (römischen) Amphitheater, nach einem ökumenischen Gottesdienst, mit dem Einzug der 26 kantonalen Fahnen, zusammen mit den beiden Gemeindewappen von Brugg und Windisch. Die obligate Landeshymne wird sogar mit einem zweiten, gemeinschaftlich gesungenen, Lied ergänzt. Natürlich war ich dieses Jahr nur dort, weil auch die (für uns Hünenberger) so knapp “ennet” der Reuss wohnhafte Doris Leuthard ihren Auftritt hatte. Zu ihrer Ansprache kann ich sagen, in der Sache vollkommen richtig, in der Rhetorik vielleicht nicht die beste aller Reden. Seit dem Besuch des nicht wiedergewählten Bundesrat Christoph Blocher scheint das Windischer Amphitheater obligater Redeort für einen Bundesrat oder eine Bundesrätin zu sein.
Drei Sachen sind mir aufgefallen.
- Es wird vorab ein schönes 1. August-Feuer aufgeschichtet und dann im Verlauf der offiziellen Veranstaltung entzündet. Sobald es einmal lichterloh brennt, hat die Feuerwehr die Aufgabe mittels Schlauch nicht nur die benachbarten Bäume regelmässig abzukühlen, die Wiese rund um das Feuer zu bespritzen, auch das Feuer selbst (so schien es zumindest) wurde immer wieder begossen.
- Die Redner – anfangs noch bei Tageslicht erkennbar – hatten kein “würdiges” Licht und wurden so relativ unvorteilhaft nur noch vom Leselampenlicht teilweise angestrahlt.
- Das Feuerwerk, in einem mit Schalplatten gesicherten Quadrat aufgebaut, wurde – trotz Sparmassnahmen und Kostendruck – mit einigen ganz schönen Bildern und noch nie gesehenen Glittereffekten mit mehrmaligem Zwischenapplaus von den Zuschauern gewürdigt.
Ach ja, da gab es noch eine dritte Sache, die mir aufgefallen ist, die ich so aber nicht widergeben kann. Nur kurz, einer der ach so stolzen Schweizer (älterer Herr) mit Schweiz-T-Shirt liess sich weder von den Worten der Bundesrätin beeindrucken, noch des Jungredners und liess sich beim Anblick einer tamilischen Familie (die sind in der Region nicht unzahlreich) zu einer Äusserung gegenüber seiner AltersgenossInnen hinreissen – Marke unterste Schublade.


