Schlagzeile des Tages

Fast schon natürlich gefunden auf… tagesanzeiger.ch

Wer hält die Stellung auf tagesanzeiger.ch?

Natürlich, es ist Pfingstmontag, natürlich ist es Nacht und natürlich liest man es auf Tagesanzeiger, der mit seiner TAMEDIA AG fast die gesamte Schweiz nachrichtentechnisch im Griff hat.

So darf der Schlagzeilenschreiber aus der Lokführerforderung nach “… einem System, welches die Notbremsung in Tunnels über 4 km ausschalten kann…” zu (im Titel) “besseren Bremsen” und später im Einführungstext zu “…speziellen Bremsen…”.

Beides ist etwa soweit von der Realität entfernt, wie der “Online-Redaktor” von der Befähigung, journalistisch tätig zu sein.

Wenn die Lokführer ein System zur Überbrückung der Notbremsung in Tunnels über 4 km wollen, heisst das nichts anderes, wie dass sie einen Knopf wollen, der die automatische Notbremsung bis zum Tunnelende (respektive halt eben, bis der Lokführer die Notbremsung auslöst), deaktiviert. Hat nichts mit den Bremsen zu tun.

Auch speziell sind die Bremsen nicht – höchstens das System, welches in einem Tunnel über 4 km bei einer Notbremsung nicht automatisch bremst, sondern eben vom Lokführer “kontrolliert” werden kann.

Das ganze ist, weil ein Feuer in einem Tunnel immer gefährlicher ist, wie draussen in freier Natur und wahrscheinlich bei einem Personenzug viel mehr Opfer geben würde. – Allerdings weiss ich nicht, wie der Lokführer weiss, wieso eine Notbremsung ausgelöst wurde – Feuer ist ja nur eine Gefahr, Achsbruch, Entgleisung und ähnliches können weitere Ursachen sein und  hätten ebenso fatale Folgen, wenn der Lokführer einfach weiterbrettern würde.

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2 Kommentare

  1. Geschrieben 14. Juni 2011 um 16:01 | Permalink

    Immerhin hat der unbekannte Depechenagenturmeldungsabtipper inzwischen die Bremsen im Titel auf “Bremssysteme” abgeändert. Entweder liest er die Kommentare oder aber deine Randnotizen.
    ;-)

    Zu Personenzügen:
    Ich finde es auch nicht unerheblich, ob die Notbremse wegen Feuers oder wegen eines anderen Problems gezogen wird.(Obwohl ich mir schlecht vorstellen kann, was es da im Innenraum noch für Gründe gibt, um den Zug zum Stehen bringen zu wollen.)
    Statt der Notbremse wäre doch eigentlich ein Alarmknopf mit Gegensprechanlage keine schlechte Idee. Dann kann der Lokührer aufgrund der Information (welcher Wagen / Ursache) selber entscheiden, wie weit er noch fahren will/kann/soll. (Aus dem Tunnel raus, von er Brücke weg, ans Ende des Bahnhofs, usw.)
    Kostet natürlich was, und die Nachrüstung wäre bei der Menge an (altem) Rollmaterial wohl auch nicht ganz billig …

  2. Geschrieben 14. Juni 2011 um 17:12 | Permalink

    Ja, lieber Bobsmile – für einmal nutzte ich die Möglichkeit des “Korrektur-Hinweises” auf Newsnetz, erwähnte den Titel und meinte einfach, dass ein Notbremsüberbrückung nichts mit besseren oder spezielleren Bremsen zu tun hätte. Schon als ich den “Senden”-Knopf drückte, war ich irgendwie von Neugier gepackt, ob die Korrektur (so dann eine erfolgen würde) nur beim Titel bleiben würde…
    Erstaunt war ich dann schon, dass innerhalb von ca. 20 Minuten der Titel geändert wurde, aber eben der Einleitungstext nicht. Was mir aber irgendwie bestätigte, dass der Schreiberling mit der (Agentur-?)Meldung recht wenig anfangen konnte und schon gar nicht las, was er (oder jemand anders) kurz zuvor Online stellte.
    Zu Personenzügen (da ja der aktuelle Fall so oder so mit einem Notbremsüberbrückungssystem wohl gleich ausgegangen wäre): Ich habe keine Ahnung, ob ich als Passagier – oder ein Zugbegleiter – zum Beispiel einen Achsbruch feststellen könnte und damit auch eine Notbremsung auslösen könnte – wenn aber der Lokführer in einem solchen Fall weiterfahren würde (denke ich) könnten die Folgen der Weiterfahrt durchaus verheerender sein, als ein sofortiger Stopp. (Entgleisung oder bei einer Weiche….) Wie weit es noch funkende Bremsen (oder Bremsklötze) gibt, weiss ich nicht, ich habe aber einmal einen Zug gesehen, bei dem von einer Achse aus ein konstanter Funkenregen ausging – auch dort würde ich mich fragen, ob es sinvoll ist, weiterzufahren und möglicherweise eine Überhitzung und einen Brand in Kauf zu nehmen oder ob ein sofortiger Halt Schlimmeres verhindern könnte. Mit der Gegensprechanlage (Kommunikation mit Lokführer) – die gibt es meines Wissens zumindest auf einigen Zügen (für den Zugbegleiter zugänglich) – hätte ich so meine Mühe, ist doch der Lokführer mit seiner Aufgabe nicht unbedingt prädestiniert, mit Zugspassagieren noch eine Kommunikation zu führen – ganz abgesehen von möglichen sprachlichen Barrieren.
    In Deutschland und Österreich sind solche “Notbremsüberbrückungsstrecken” für den Zugführer sichtbar markiert.

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