schreibt tagesanzeiger.ch hier. Wie ich weiss, sind die Unternehmen momentan auch gerade in der Innerschweiz, respektive auch in Hünenberg auf “Kundenfang”.
Obwohl immer wieder alle Menschen behaupten, dass Sie auf solche “Werbefahrten, Gewinnversprechungen und Anpreisungen” vollkommen immun sind – gelingt es den Verkäufern immer wieder, Ware loszuwerden.
Im vom Tagi geschilderten Fall waren es am Schluss 5 Matratzen à 3000.– = 15’000.– CHF. Nehmen wir an, dass dabei alle Ihren Wertschein von 1’300.– verwendet haben (5×1’300 = 6’500.–) bleiben dem Unternehmer noch 8’500.– Für den Reisecar bezahlt er allerhöchstens 500.–, bleiben noch 8’000.–. Bei einer Teilnehmerzahl von ca. 40 Personen rechnen wir einmal grosszügig mit 10.– für das Frühstück und 20.– für das Mittagessen (40×30.– = 1’200.–), bleiben noch 6’800.– Franken. In der Schweiz bin ich auf einen Preis von ca. 800.– für ein Magnetfeld-Unterbett gestossen, im EU-Raum sollen die etwa 300 – 400 Euro kosten. (5×800.– = 4’000.–), dann bleiben noch 2’800.– für den Oberschwatzer. Vielleicht verschwendet er noch ein paar hundert Franken für die “Werbegeschenke”, aber auch nur vielleicht.
Ansonsten hat der Werbe-Fritze an einem Tag mehr verdient, als viele andere in einem halben Monat und garantiert mehr, als die “lieben” Rentner im Monat an AHV erhalten.
Die Moral der Geschichte: Würden alle, die behaupten, auf einen solchen “Schmarren” nicht reinzufallen, tatsächlich den Wisch dem Altpapier übergeben, gäbe es diese Firmen schon lange nicht mehr.
Auf K-Tipp können Sie sich über solche Werbefahrten kundig machen – aber Vorsicht, die Firma, welche heute XY heisst, wirbt morgen einfach als Firma ZW.


4 Kommentare
Es ist schon erstaunlich, dass dieses himmeltraurige Geschäft trotz Aufklärung in allen Medienkanälen überhaupt so lange funktioniert. Auch dank den hinzugemieteten Reisecarunternehmen, die sich im hart umkämpften (Billig-) Reisemarkt dadurch eine feste Einnahmequelle verschaffen.
So berichtete mir vor Jahren bereits ein Carunternehmer, dass es sich bei solchen Kaffeefahrten um ein wichtiges Standbein handle. Kritisch nachgefragt meinte er nur lakonisch:”Dann macht’s eben ein anderer!”
Nicht nur die Carunternehmer decken sich dabei höchstens die laufenden Kosten, auch die Gastwirte füllen sich höchstens die Säli und lassen sich mit relativ wenig Geld abspeisen. Wobei der Gastwirt spätestens nach der ersten (oft getarnten) Buchung schlauer sein sollte und auch ablehnen könnten.
Aber schlussendlich liegt es halt immer noch am Konsumenten selbst, diese Maschen nach dem zu bewerten, was sie sind – nämlich Abzocke.
Erstaunliche Parallelen zum Thema Neffentrick/Enkeltrick mit dem kleinen Unterschied, dass letzteres kriminell ist und über Abzocke hinaus geht.
Wir werden immer älter und die Alten sind aus zum Teil sachlogischen Gründen immer mehr auf sich selbst angewiesen. Dass man damit Geld zu verdienen versucht ist zwar einerseits moralisch sehr fragwürdig, widerspiegelt aber andererseits auch den Kampf der “jüngeren” Generation um das “Überleben”. Und wenn gut betuchte Rentner einmal zugegebenermassen zu viel für eine Matratze ausgeben hält sich mein Mitleid in sehr engen Grenzen. Muss denn das omnipräsente Gerede von Selbstverantwortung nicht auch unsere ältere Generation gelten?
Es sind hier ja viele Faktoren, die zusammenspielen. Einerseits, völlig zu recht erwähnt, predigen uns gerade die älteren Generationen, wie man für sein Tun und Handeln Verantwortung übernehmen soll, wie man den “gesunden Menschenverstand” walten lassen soll, bevor man etwas tut und man nicht jeden “Mist” glauben soll. Anderseits schliessen viele genau diese Überlegungen im eigenen Tun und Handeln aus. Die Ursachen liegen einerseits im Wechsel des sozialen Gefüges, wo sich jeder selbst der Nächste ist, einer unendlichen Flut von Informationen, die man nicht (oder nur ungenügend) bewerten kann und dem Irrglauben, dass von Nichts doch Alles kommen könnte. Dazu kommt der Wunsch, dass es doch jemand völlig ungeprüft ehrlich meint und sich tatsächlich um die “Vergessenen” kümmert.
Ich bezweifle, ob man von einem Überlebenskampf der “Jüngeren” sprechen kann, denn ausser dem Profiteur (oder Betrüger) verdient eigentlich niemand etwas daran.
Der Carunternehmer deckt (zumindest nach meinem Wissen und Erfahrung) höchstens seine laufenden Kosten, verliert aber “seriöse” Kunden, denn wer will schon mit “Werbefahrten-Reisen” seinen Ausflug planen. Damit steckt der Carunternehmer im Teufelskreis, auf Werbefahrten angewiesen zu sein, kein Geld zu haben für einen neuen Car (weil er dafür kein Geld auf die Seite legen konnte) und spätestens dann ist er “weg vom Fenster”. Genau das gleiche gilt für den Wirt, die Ansätze für ein “Menu” sind gerade einmal hoch genug, dass man ein vermeintliches Geschäft erahnt, handkehrum hat er am Abend keinen Rappen mehr verdient, wie wenn er keine Gruppe gehabt hätte. Der Ruf der “Beiz” sinkt und der Wirt hat noch weniger zahlungskräftige Gäste und früher oder später ist er ebenfalls weg vom Fenster.
Sowohl für den Wirt, wie auch den Carunternehmer gilt, dass dies wahrscheinlich so oder so geschehen würde, weil sie sich zuwenig um zahlungskräftige Kundschaft bemühten (oder per se einen schlechten Service lieferten) – oft würde eine rechtzeitige “Kropfleeret” oder Frage nach Hilfe (Beratung, Analyse, Marketinghilfe) dieses – anfangs kleine – Problem relativ einfach lösen – anderseits sind diese (wie ich ebenfalls aus eigenem Wissen weiss) Dienstleister sehr oft auch nur auf ein “Schema F” fixiert, welches bereits vorgedruckt, einfach noch auf eine möglichst teure Art und Weise verkauft wird.
So schliesst sich der Kreis genau dort, wo wir in der heutigen Zeit sind. Wir haben denjenigen Menschen – rhetorisch begabt und mehr oder weniger skrupellos – der die “Geiz ist geil” – Gesellschaft um sich scharrt, mit einem Lockvogelangebot geködert, das Denken der Masse ausschaltet und sie zu einem Tun verleitet, welches rationell nur noch unzulänglich begründet werden könnte.
Dieses System funktioniert nicht nur auf Werbefahrten, sondern auch in der Politik, der Wirtschaft, beim Detaillisten und die “Jüngeren” lassen sich in anderen Bereichen genau so blenden, wie die ältere Generation auf Werbefahrten.