UPDATEDERGESCHICHTE: Der Tagi hat seine Story heute (2. Juli 2010) grosszügig überarbeitet und so zumindest eine zeitliche Kontinuität hineingebracht – die Aussagen und Zitate beziehen sich auf den Originalartikel vom 1. Juli 2010.
Tagesanzeigergeschichten konnte man vor einigen Jahren noch trauen – neben der topseriösen NZZ, bei der man gleichzeitig noch Sprachkundler werden konnte, gab es den Tages Anzeiger – praktisch ebenso seriös, aber sprachlich mehr bei den Leuten und mit ein paar Bildern mehr.
Seither ist viel geschehen – vorallem beim Tages Anzeiger. Um dem Leserschwund zu begegnen wurde (und wird) boulevardisiert und um die Finanzen im Lot zu halten, wurde auch an qualifiziertem Personal gespart. Da kann sowas passieren (Zitate: Tagi Online – FETT, mein Senf dazu):
Der Brite war sofort seinen Job los. In Genf darf er jetzt aber auf eine Fortsetzung seiner Karriere hoffen. Den Zeitpunkt lassen wir einmal offen.
Der Rohstoffhändler hatte am 29. Juni 2009 betrunken und ohne Genehmigung seiner Kunden mehr als sieben Millionen Barrel Brent-Öl gekauft… Aha, 29. Juni 2009 – also etwas mehr wie vor einem Jahr.
Wie die britische Tageszeitung «Telegraph» nun berichtet, ist der Trunkenbold bereits am Mittwoch für Gespräche in Genf eingetroffen. Sie ahnen es, wir warpen uns jetzt sozusagen ins Jahr 2010.
Keine 24 Stunden später nach seinem Rauswurf plante Perkins seine Karriere in der Schweiz fortzusetzen. Wenn wir uns jetzt nur noch erinnern würden, wann er Mist gebaut hat. 2009, 2010, früher oder später oder wann überhaupt und welches Datum haben wir jetzt?
Der 34-jährige Broker hat das letzte Wochenende und auch den Montag extrem viel Alkohol getrunken, befand die FSA. Am Dienstag, den 29. Juni, sei er dann betrunken… AHA, letztes Wochenende, das war doch der 26./27. Juni 2010 und Montag, der 28. Juni 2010 – logisch war dann der Dienstag der 29. Juni – aber wie war das jetzt mit dem Jahr 2009?
Der Behörde zufolge hat er sich inzwischen einer Entziehungskur unterzogen und sich vom Alkohol abgewandt. Wow – Ist er jetzt 1 Tag nüchtern gewesen?
Nun, die ganze Geschichte können Sie hier nachlesen – oder meine kurze Zusammenfassung lesen:
Steve Perkins kaufte am 29. Juni 2009, respektive 30. Juni 2009 um etwa 02.00 Uhr 7 Millionen Barrel Rohöl und trieb damit den Ölpreis um knapp 2 Dollar in die Höhe. Als seine Firma bereits früh am Morgen die Unregelmässigkeiten realisierte und später die Zukäufe wieder verkaufte, resultierte ein Verlust von nicht ganz $ 10’000’000. Jetzt (29. Juni) – im Jahr 2010 – wurde der Händler von der Regulierungsbehörde in England zu einer Strafe von £ 72’000 verurteilt und erhielt ein 5-jähriges Händler-Verbot. Am 30. Juni 2010 soll er von einer Genfer Energie-Trading-Firma zwecks eines Jobs interviewed worden sein. Die Begründung im Tages Anzeiger Artikel ist mehr wie fragwürdig und beim Telegraph (beinahe sinngemäss) abgeschrieben:
“The fact that a foreign company is considering hiring Mr Perkins – despite the potential for negative publicity – shows how valuable top brokers are to commodity companies.” (Quelle: telegraph.co.uk)
Die Tatsache, dass ein Unternehmen trotz des drohenden Imageverlustes einen Händler wie Steve Perkins anheuern will, zeigt deutlich, wie wertvoll Top-Broker für solche Handelsfirmen sind.
Vielleicht würde dem TA-Journalisten (sagt man dem noch so?) einfach ein ENGLISCH-Sprachkurs gut tun – denn, so scheint es zumindest, der Artikel wurde vom englischen “Telegraph” geräubert.



