Boulevard allenthalben

Screenshot tagesanzeiger.ch

Da verreisst ein Journalist (Thomas Widmer) des Tagesanzeigers Mona Vetsch, weil sie das macht, was das Format “Fernweh” eigentlich machen will, in lockerem Unterhaltungston ein bisschen Ferne in die Schweizer Stuben bringen.

Übel stösst im die Mona Vetsch auf, die so ist, wie sie ist – und das meine ich keineswegs abwertend. TW gesteht dem Format zwar exakt das zu, was es ist: «Fernweh» macht Appetit wie ein Reisebüroprospekt… , nur um dann zu monieren, dass es unvollendet ist: …stillt aber wie dieser den Wissenshunger nicht. Und der Grund des fehlenden Wissens ist auch mit Namen genannt: Mona Vetsch.

Nun – obwohl Thomas Widmer zwar erkannt hat, dass “Fernweh” von SF DRS ein “unterhaltsamer” Reiseprospekt ist (und auch sein soll), vermisst er Wissen, Wissen und nochmals Wissen. Schliesslich will er ja alles über die Karibik wissen. Naja – womöglich ist es einem Journalist versagt, zu erkennen, was für eine Sendung er anschaut – eine Reisesendung mit Bildern aus der Karibik zum Träumen und gespickt mit ein paar Informationen vorgetragen von Mona Vetsch – oder einer Dokumentarsendung über Wirtschaft und Leben in der Karibik mit Dr. Dr. Wiki.

Vielleicht liegt das Ganze aber auch nur an der Identitätskrise, in der viele Journalisten des Tagesanzeigers stecken und da nicht wissen, ob sie dem Boulevard, der Information oder dem Wissen verpflichtet sind.

Ein paar Beispiele der jüngsten Vergangenheit gefällig? (Beispiele aus Tagesanzeiger.ch, da dort die Artikel und Themen länger verfolgbar sind.)

  • Zwei Tage veranstaltet tagesanzeiger.ch eine Hetzjagd auf einen Triathleten, welcher angeblich eine 85-jährige Frau umgefahren hat – bis am dritten Tag alles möglicherweise ganz anders gewesen ist und der Triathlet möglicherweise bei einem Ausweichmanöver wegen der gestürzten Fussgängerin selbst gestürzt ist…
  • Kaum ist das Unglück der Matterhorn-Gotthard-Bahn im Goms bekannt, lässt man einen Experten zu Wort kommen, der unter anderem auch über Unwetter, Rüfenen und weiteres spekulieren darf – obwohl mittlerweile erste Bilder absolut zeigen, dass ein Erdrutsch oder Unwetter mit Garantie ausgeschlossen werden können.
  • Dossiers zum Bootsunglück auf dem Bielersee.
  • Dossier zum Unglück in Duisburg
  • Dossier “Fall Bono”

Es gäbe deren Beispiele noch viele, wo es scheint, dass der einst stolze Tages Anzeiger mehr einem Gerüchtelieferanten, Klatschheftchenproduzenten oder möglicherweise auch den gesamten abgehalfterten ehemaligen B***-Boulevardjournalisten verpflichtet ist.

Und trotzdem gibt sich Tagesanzeiger noch immer als seriöse, informative und recherchierende Zeitung.

Da sollte Thomas Widmer wahrscheinlich erst einmal eine Analyse seines Arbeitgebers machen, bevor er einer Unterhaltungssendung fehlende Wissenselemente vorwirft (die in diesem Format auch NICHT beansprucht werden) oder die fehlenden Wissenselemente einer einzigen Person anhängt, nämlich derjenigen Person, die moderiert.

Wäre etwa wie man Beni Turnherr unterstellen würde, dass nur weil er Basel: FCZ kommentiert das Spiel langweilig wäre und zuwenig auf Statik und Sicherheitsvorkehrungen des Stadions eingegangen worden sei.

Schlussendlich ist es etwa wie mit meinem Blog – ich schreibe über allerlei. Das dürfen Sie mögen oder nicht. Sie dürfen es lesen oder nicht. Sie dürfen meine Ansicht kritisieren oder ihr beipflichten. Aber Sie sollten es bleiben lassen, mir vorzuwerfen, dass die Wahrheit noch viel schlimmer ist oder dass ich nichts über die Waldrodungen im Amazonasgebiet schreibe. Ich beanspruche in keiner Art und Weise, dass Sie hier ihre Weisheit mit Löffeln weiter füttern können – ich möchte – schlecht oder recht – ein bisschen unterhalten und allerhöchstens zu ein, zwei Gedanken anregen.

PS: Noch etwas ganz anderes. Wissen Sie was Heufeerrii ist? Auch nicht? Ok, Meret Boxler – die Frau mit Sprachkompetenz auf DRS 3 wusste es auch nicht, obwohl sie es dort noch ablesen konnte und dort stand “Heuferie”.

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5 Kommentare

  1. Phil Laube
    Geschrieben 30. Juli 2010 um 21:12 | Permalink

    Geniales Statement des Formuninhabers, ohne Ergänzungsbedarf! Allerdings sollte man bei einer Beurteilung von Mona Vetsch nicht Madame Ääätsch von und zu hihi, ahaa und -lili beiziehen, denn man darf ja schliesslich nur gleiches mit gleichem und nicht gleiches mit ungleichem vergleichen: a=a und nicht a=b, wie wir alle in der Schule lernen durften.

  2. Geschrieben 31. Juli 2010 um 10:19 | Permalink

    Ich weiss, aber ich wollte die Frau Göpferli nicht in einem neuen Artikel wieder würdigen. Und eigentlich könnte mir MB sowas von pipifax-schnurz-läck-heuferii-egal sein, wenn da eben nicht auf ihrer Homepage folgendes stehen würde: 1.5 Millionen Radiozuhörer täglich …. für diese würde sie täglich den richtigen Ton finden… und “Sprache. Meine Passion” und “Sprachkompetenz”.
    Manchmal möchte ich mich vor mir selbst entschuldigen, dass da meine Galle ganz eigenständig wie wild hochkommt.

  3. Phil Laube
    Geschrieben 31. Juli 2010 um 19:08 | Permalink

    Stimmt schon, aber man muss die Frustrationstoleranz in diesem Fall sehr hoch ansetzen. Diese Frau ist weder medientauglich noch sprachgewandt, und dennoch wollen wir sie ja eigentlich nicht vernichten. Aber dennoch: in meinem Verantwortungsbereich hätte sie seit langer Zeit eine ganz andere Anstellung, aber sicherlich nicht mehr am Mik!

  4. Geschrieben 6. August 2010 um 14:33 | Permalink

    Anscheinend polarisiert der Bericht (100 Kommentare) , bzw. die Sendung “Fernweh” mit MV, ganz schön die Schweizer TV Konsumenten.

    Zu MB: Ablesen ist manchmal auch Glückssache. Als gestern Nachrichtensprecherin Beatrice Müller in der Tagesschau auf die nachfolgende BBC-Sendung hinwies, machte sie daraus eine “BéBéTsé-Serie”. ;-)

  5. Geschrieben 6. August 2010 um 14:37 | Permalink

    (Korrigendum: Es war die Tagesschau vom 4.8.)

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