Publikumswirksam übergibt der Migros-Chef Herbert Bolliger dem WWF einen Check über sFr. 40’000.–
Grosszügig wird dabei von einer “Spende für die Artenvielfalt” gesprochen. Wer’s glaubt wird selig. Vorallem das mit der “Spende” erhält einen schalen Nebengeschmack, wenn man liest, wie die 40’000 Franken schlussendlich zustande kommen sollen.
Nämlich nicht von der Migros – die einfach auf ihren Gewinn verzichtet – sondern vom Konsumenten, der diese Tragtaschen kaufen soll. Und noch mehr Kopfschütteln gibt es, wenn man den Zweck des so gewonnen Geldes erfährt.
Das Geld wird nämlich zur Ausbildung Freiwilliger gebraucht, die den Hirten beim Schutz der Schafherden vor dem Bösen Wolf unterstützen sollen. Dazu sollte man wissen, dass die meisten Schafherden nicht einmal von einem Hirten begleitet werden, geschweige dann geschützt werden und der Schafbesitzer einerseits vom Bund grosszügig unterstützt (subventioniert) wird, wie auch die Sömmerung zusätzlich mit knapp 20.– pro Schaf subventioniert wird. Die ganze Schaf-Wirtschaft wird mit etwa 43 Mio pro Jahr subventioniert. Dazu kommen Beiträge für “Gezielten Schutz in Wolf-Gebieten” 830’000.–, sowie Pauschalzahlungen für Hirtenhunde (ok, Schafhunde, da es meist Weiden ohne Hirte sind) von 1000 – 2000 Franken oder 500.– für die Anschaffung und 1000.– pro Jahr für den Hund. Wird ein Schaf nachweislich vom Wolf gerissen, so wird der Hirte (ob anwesend oder irgendwo unten im Tal die Subventionen vertrinkend) ebenfalls vom Bund entschädigt.
Dazu sollte man auch wissen, dass die ca. 100 – 200 gerissenen Schafe pro Jahr einen Klacks sind gegenüber den Schafen, die jährlich in den Bergen sterben (lange bevor der Wolf oder Bär wieder in Schweiz waren). Diese Zahl beträgt jährlich zwischen 8’000 und 12’000 Tiere. Daneben – so zeigen Zeitungsbeiträge, sollen in diesem Jahr auch Zivilschützer zur Bewachung von Schafen eingesetzt werden.
LIEBE MIGROS und lieber WWF, ich denke einmal, dass es möglicherweise mehr als hundert sinnvollere Projekte geben würde, um diese 40’000.– einzusetzen. Einerseits, weil sich der Bund hier schon übermässig engagiert und anderseits die von Wolf und Bär getöteten Schafe gerade mal etwa 1 – 1.5 Prozent der durch die Vernachlässigung der Schafherde getöteten Tiere ausmacht. (Und wenn Schafbesitzer 16 Schafe verhungern lassen, werden sie mit 600.– gebüsst. Quelle:presse).
Als Konsument kann man da – so “gut” die Idee dahinter eigentlich wäre – nur mit dem Verzicht des Kaufes dieser Tragtaschen reagieren.
PS: Ich habe der M-Infoline einen (freundlichen) Knochen zugeworfen, mit der Bitte, das Geld anderweitig einsetzen zu lassen. Mal schauen, wie schnell langsam die M-Infoline dieses Mal ist mit einer Antwort.
UPDATE 30. Juni 2010, 18.00 Uhr – Was keiner (ich am Wenigsten) für möglich gehalten hätte – heute ist bereits eine umfassende Antwort der M-Infoline hereingetrudelt (14 Uhr). Ab sofort erhält der elektronische Kundendienst der Migros ein vorsichtiges PLUS.

