Es darf gebaut werden

Nach 4 Tagen wurde dann die Einfahrt Richtung Luzern doch noch abgedeckt.

… nein, Wohnungsbau ist doch nur noch etwas für Weicheier, Immobilienspekulanten und Hypothekenprofiteure. Ich meine richtig gebaut werden, so Strasse aufreissen, zuwalzen, wieder aufreissen und wieder zuwalzen und am Schluss, wenn man meint, dass alles fertig ist, beginnt schon fast wieder die Sanierung.

Im Kanton Zug nimmt dies derart ausufernde Züge an, dass man zuweilen Autokorsos sieht, hupend und fahnenschwenkend, wohl wieder einmal 500 Meter “ohne Baustelle” feiernd.

Und weil die Behördenkrankheit Baueritis nicht nur kantonal, sondern gerade eidgenössisch “in” ist, scheint es nur so von halbfertigen Strassenstücken zu wimmeln, aber auch ebensostark an Asphalt zu mangeln. Anders kann ich es mir nicht vorstellen, warum der Verkehr an gewissen Orten wochenlang das Sand- und Kiesbett mitten in der Strasse einarbeiten muss.

Handkehrum darf ich am Morgen und am Abend aus dem Fenster schauend feststellen, dass mittlerweile zum dritten Mal auf der Kreuzung das gleiche Loch aufgerissen wird. Gewisse Branchen scheinen nach wie vor eine sehr gute Marge zu haben.

Apropos Marge, die scheint auch beim derzeit grössten Strassenbauvorhaben im Kanton Zug fast unendlich zu sein. Liest man die Neue Zuger Zeitung (Ausgabe Montag, 21. Juni 2010), so wird dort der Zuger Baudirektor Heinz Tännler mit den Worten zitiert, dass der 6-Streifen-Ausbau Blegi-Rütihof in etwa 135 Millionen (Schweizer Franken) kostet. Gleichentags (nämlich auch heute) hat das ASTRA (Bundesamt für Strassen) einen Hochglanzprospekt zum gleichen Thema in alle Haushaltungen verteilen lassen. Projektkosten geschätzt vom ASTRA, ca. 200 Millionen. Das macht dann nur etwa 65 Millionen “Marge”. Eine Million würde ich sofort nehmen, damit ich nur noch positiv darüber schreibe.

Aber lassen wir doch nochmals Heinz Tännler, Baudirektor des Kantons Zug zu Wort kommen (in der Neuen ZZ): “Alle Verkehrsumleitungen sind bestens signalisiert….” – vielleicht lohnt sich eine Fahrt in den Ennetsee, Heinz Tännler, dort stehen nämlich ausgerechnet die schönen, grossen blauen Tafeln am Strassenrand, mit den schönen, grossen grünen Hinweisen für die Autobahnauffahrt nach Luzern. Selber Schuld, wer so irregeleitet sein Fahrzeug in die Baustelle lenkt.

Überhaupt, im Hochglanzprospekt des ASTRA steht die oberste Maxime für die Bauarbeiten:

  • minimaler Eingriff in die Landschaft
  • minimaler Landbedarf
  • minimale Rodungsfläche
  • Beibehaltung bestehnder Bauwerke möglichst ohne Anpassungen

Was hier schon fast “in Eintracht mit der Natur” tönt, ist in Tat und Wahrheit dann:

  • Neubau von 2 Grosskreiseln bei der Autobahnein-/ausfahrt CHAM
  • Neubau einer 3. Fahrspur (plus Standstreifen) zwischen Rütihof (Rotkreuz) und Ein-/Ausfahrt Cham (beidseitig).
  • Ab Ein-/Ausfahrt Cham bis Ausfahrt Zug West eine zusätzliche Fahrspur (komplett neue Linienführung) für die Ausfahrt Zug West
  • von Zug West bis Autobahnkreuz Blegi Richtung Zürich neue 2-spurige Verkehrsführung
  • und von Zug West bis Ein-/Ausfahrt Cham neue Verkehrsführung mit vergrössertem Kurvenradius (von 60km/h auf 80km/h) und einer zusätzlichen Spur (Ausfahrt Cham/Hünenberg)

Sind wir froh, dass der Kanton Zug so klein ist, sonst hätte das ASTRA am liebsten eine zweite Autobahn neben die bestehende Autobahn gebaut. Aber halt – soviel Zynismus gehört bestraft. Und recht haben Sie.

Hat dann nämlich der Bund aufgehört zu bauen, kommt der Kanton und baut entlang der ausgebauten Autobahn (und fast auf der selben Strecke) eine hochmoderne (land-, rodungs- und bautenschonende) Umfahrungsstrasse für Cham.

UPDATE 2. Juli 2010: Bereits sind 2 Wochen vorbei und die Autobahnzufahrt Cham Richtung Luzern wieder offen – dafür ist die grosse, blaue Tafel mit dem grünen Feld weiterhin abgedeckt. Ich frag mich schon – gibt es eigentlich noch Menschen, die eine Verantwortung wahrnehmen?

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