Engadin ist das Ziel – DRS3 der Weg.
Nun ist es ja nicht so, dass das samstägliche Reisemagazin auf DRS3 noch nie im Engadin war – zu vermuten ist auch (zu Recht), dass es nicht das letzte Mal war. Nur bitte, es geht auch besser!
Die Radioreise begann in Klosters Selfranga wegen der 3-Stunden Wartezeit beim Autoverlad durch den Vereina. NUR – 3 Stunden warten ist auch im Winter eher die Ausnahme (z.B. Julier geschlossen und/oder Hauptferienwochenende). Zudem haben wir jetzt den 8. Mai und bis zum (möglichen) nächsten 3-Stundenstau könnte es gut und gerne 7 – 8 Monate dauern. Wieso ich für das Oberengadin (über diesen Teil ging der Rest der Sendung) ausgerechnet via Unterengadin anreisen sollte. Keine Ahnung. Der nächste Einschub ist das Kurze Intermezzo über Samedan, dessen Name im Rätoromanischen eben Samede (ohne Endsilbenbetonung) oder deutsch Samadä (ebenfalls ohne Endsilbenbetonung) ausgesprochen wird.
Dann folgten ein paar Sätze über das Hotel Castell – den elitären “Künstlertreffpunkt” im Engadin. Ok, da würden vielleicht noch weitere Gründe für einen Halt sprechen. (Nicht unbedingt die Übernachtungspreise) – aber was solls. Wir sind doch auch alle Künstler.
Rasend schnell geht es ins Hotel Waldhaus in Sils Maria, seit nunmehr mehr als 100 Jahren im Familienbesitz. Die Lage, schön, die Besitzerfamilie engagiert und ganz interessante und nette Menschen und im grossen Pool der DRS3 HörerInnen gibt es sicherlich auch Leute, die sich in einem 5* Hotel ausgesprochen wohl fühlen. Damit das Ganze nicht zu kommerziell tönt, werden auch noch einige Sätze über den guten Nietzsche verloren.
Zurück nach St. Moritz und in das Hotel Laudinella, welches sich kulturell engagiert und Schriftstellern eine Gratisübernachtung anbietet, wenn sie denn ein handsigniertes Buch der hoteleigenen Bibliothek überlassen. Preise: St. Moritz und ganz nebenbei wird noch der Pizza-Hauslieferdienst des Hotels beworben.
Fazit nach 1.5 Stunden “Uf u dervo”. Ich habe keine Ahnung, wieso ich via Klosters – Sagliains (Unterengadin) ins Oberengadin reisen sollte (zumindest sicher nicht im Sommer) und wieso ausgerechnet die 3 vorgestellten Hotels besonders besuchenswert sind, weiss vielleicht auch nur die Sponsoringabteilung. (Zumindest gibt es im Engadin noch unzählige weitere engagierte HotelbesitzerInnen). Ein eher ironisches Positivum war zumindest die Nicht-Erwähnung des Chesa Pool, welches in einer früheren Sendung unter dem Stichwort “Nietzsche” eine einstündige Dauerwerbesendung erhielt.
Für alle, die nach dieser Sendung doch noch nach einem Grund suchen, ins (Ober-)Engadin zu gehen, seien hier nochmals einige wirklich schöne Aktivitäten aufgezählt: Anreise via Tiefencastel-Albula (Halt in Bergün) oder am Palpuognasee (sehr schön, Rundwanderung). Halt beim neuen Besucherzentrum des Nationalparks in Zuoz; Hunde- und bikerfreier Ausflug in den Nationalpark im Val Trupchun mit Zwischenhalt in der Parkhütte Varusch; das Val Roseg mit dem Roseggletscher, Morteratschtal mit dem Vadret da Morteratsch (Gletscher); Segantini-Hütte; die Schafsberge, Berninapass mit dem Lago Bianco-Sassal Mason-Alp Grüm-Cavaglia; Stazer See; Silser-, Silvaplaner- und St. Moritzersee; Val Fex; alle bahnerschlossenen Bergspitzen und einigen “Geheimtipps”, die ich hier nicht veröffentliche.
PS: … und wenn Sie schon durch den Vereinatunnel nach Sagliains verladen – das ganze Unterengadin ist durchaus mehr wie einen Besuch wert.


