Du hast falsch – nun schweige

Wissen Sie, manchmal würde ich wirklich gerne wissen, wie “Rechts” funktioniert. Nicht auf der Strasse und nicht, wie es verbal funktioniert, das hört man und kann man lesen. Nein, ich möchte einmal die Schaltkreise im Hirn erkunden können, die so einfach und doch so kompliziert gepolt sind, dass man sich schon wieder fragen muss, ob überhaupt – neben einem Behälter für eingetrichterte Phrasen – noch eine selbständige Denkleistung stattfindet.

Jüngstes Beispiel ist eine Aussage von Roger Köppel im deutschen Fernsehen, die so oder ähnlich in den letzten Tagen “Rechts” laut und immer wieder zu hören war:

Ich habe mich selbst sehr aufgeregt über diese Stellungsnahmen… und diese Arroganz, die in diesen Aussagen zum Ausdruck kommt… und diese Einmischung … in einen demokratischen Entscheid…   (Quelle: hartaberfair, ARD, 2. Dezember 09)

Der Tagi-Online macht daraus einen kürzeren Satz, nicht ganz korrekt, aber doch öfters gehört:

Die Schweiz hat ein demokratisches Urteil gefällt und es steht niemandem zu, das zu kritisieren.

Und genau an diesem Punkt frage ich mich, wie erstens ein Roger Köppel, der als Herausgeber der Weltwoche allerhöchstens noch überlebt, in dem er oft und gerne Alles und (fast) Jeden kritisiert, auf die Idee kommt, jetzt sei plötzlich Kritik verboten und anderseits “Rechts” sagt, das Volk habe gewählt, jetzt sollen alle schweigen, die sich nicht dem Mehrheitsentscheid der wählenden Schweizer Bevölkerung unterwerfen.

Auch wenn dies gewissen Kreisen durchaus in ihr politisches Konzept passen würde, mit einem (demokratischen) Entscheid sind Andersdenkende weder mundtot, noch ausgebürgert, noch ihres Denkapparates beraubt worden.

Nebengeschichte: Da gibt es in der Schweiz einen Politikwissenschafter, der für die Staatsfernsehauftritte gemietet ist. Gemäss “Umfragen” hat dieser blitzgescheite Mensch eine Zustimmungsrate von knapp 40% errechnet. Das heisst, von 1000 Befragten haben knapp 400 gesagt, sie würden die Initiative annehmen. Schön, wie er diese Zahl (37%) immer wieder in die Medien setzen durfte – nur – und da entsteht eine weitere Gedanke – nur um eine Zahl medial zu verbreiten, hätte ich auch den Beni Turnherr nehmen können. Von einem Politologen hätte ich eigentlich ein bisschen mehr Wissen erwartet, respektive die Fähigkeit, eine Interpretation einer Feldforschung. Sozusagen das “politische Gspüri”.

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