Seines Zeichen PD Dr. Peter Schneider, M.A., geboren 1957, Psychoanalytiker, Satiriker und Kolumnist mit (seit kurzem) eigener Homepage, ist meiner Meinung nach genial und würde ein riesiges Publikum verdienen. Hat er zum Teil auch, sei dies mit den (täglichen) Satirehäppchen auf DRS 3 (z.B. jeweils 08.50 Uhr und dann wiederholend), als Kolumnist im Tagesanzeiger oder (meist nicht mein Stil) in der Sonntagszeitung.
Also, dieser Peter Schneider wird im heutigen Tagi – Tagi kaufen und lesen, um das geht es hier – interviewed. Simone Meier möchte zwar am liebsten nur Antworten auf die Minarett-Initiative, aber Peter Schneider schafft es, die Thematik weiter zu fassen und ganz interessante Gedankensansätze zu liefern. Sein Seitenhieb auf die Medien würde dabei eine viel grössere Beachtung verdienen, als nur im Tagesanzeiger. Kurz gesagt geht es so: “Wenn ich mich in den Medien über ein Thema informiere, von dem ich etwas verstehe, erkenne ich erst, wieviel DIE verkehrt wiedergeben.” Eine ach so wahre Erkenntnis, die aber – nur um da noch einen draufzusetzen – von etwa 70 % der Schweizer Bevölkerung gar nicht nachvollzogen werden kann, da sie nur das konsumieren, was ihnen vorgesetzt wird. Auf jeden Fall ist es schade, dass klare Strukturen im Tagi ein mehrseitiges Interview verhindern.
Aber, wenn man die heutige Papierausgabe des Tages-Anzeigers liest, wird man noch schlauer – z.B. erfährt man, dass man generell als Bundesangesteller am Besten fährt, betreffend den Feiertagen. Grundsätzlich werden den StaatslohnempfängerInnen 11 Feiertage pro Jahr vergütet, egal ob die unter der Woche zu liegen kommen, oder wie nächstes Jahr mehrheitlich Wochenendtage belegen. So schenkt ein Zürcher Spital seinen Angestellten nächstes Jahr 3.5 Feiertage.
Natürlich hat jede Geschichte zwei Seiten, so auch das Porträt der Armut im Tagesanzeiger. Während es ganz unbestritten ist, dass es in der Schweiz Armut gibt, egal ob selbstverschuldet oder unverschuldet; es auch so ist, dass der Spiessrutenlauf durch das Sozialamt einem “grundehrlichen” armen Menschen eher einer andauernden Anklage vorkommt – so bleibt doch die Frage, ob knapp 4’000.– netto bereits Armut bedeutet, oder schlechtes Geldmanagement. Handkehrum wird es mir jedes Mal übel, wenn “Modellrechnungen” ein Haushaltseinkommen von über 150’000.– Franken “errechnen”. Die Geschichte wird auf der Leserbriefseite des Tagis thematisiert oder ist hier (inklusive der Kommentare) nachlesbar. Meine “Erfahrungen” mit der Armut in der Schweiz würden in etwa folgende Rückschlüsse zulassen. Sehr oft ist es nicht das Geld, welches einem nicht mehr schwimmen lässt – es ist die (oft aus Geldmangel) verordnete Ausgrenzung von der Gesellschaft, das konstante “Nichtteilnehmen-Können”, wie auch mangelnde Betreuung. Wobei unter Betreuung nicht ein “Vorkauen” zu verstehen ist – aber ein Mitgehen, ein offenes Ohr, das Motivieren und eventuelle Begleiten bei der Wieder-Integration.
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