Mit dieser Überschrift möchte ich einige Verlierer des Jahres 2009 erörtern.
Beginnen möchte ich, wie könnte es anders sein, heute mit der Migros. Wie es die Agenturmeldungen heute überall weiterverbreiten (z.B. Tagi-Online), rechnet der oberste Boss der Migros, Herbert Bolliger, mit der Konkurrenz ab. Auffallend ist dabei, dass er Geschehnisse in Deutschland für die Marktsituation in der Schweiz anführt. (Milchpreissenkung, 7 Euro-Jobs). Dabei brüstet sich die Coop seit Monaten, in ihren Untersuchungen querbeet günstiger zu sein.
Dabei täte es dem Migros-Chef gut, einmal sein orientierungsloses Schiff selbst auszumisten. Umstruktuierungen, Billigstangebote, Quantität vor Qualität, Markenstreben und (im Vergleich zu anderen Anbietern) ein ständiges Reactio anstelle eines Actio prägten nicht nur dieses Jahr, sondern bereits die vergangenen Jahre. Hier einige Punkte:
- Migros-Classic: Dieses unsägliche “Eigenmarkenbereinigungs-Konstrukt” mit der faden und langweiligen Erscheinungsform reisst keinen Konsumenten hinter dem Ofen hervor. Zugegeben, ich mag mich spontan an keine der verschwundenen Marken erinnern, aber Migros-Classic tönt nicht nur verstaubt, es ruft auch keinen Wiedersehenswert hervor, weil der Namen spartenübergreifend überall gleich öd auf den Produkten klebt. Es ruft auch keine Assoziationen hervor, wie z.B. “Micarna” (MIgros-CARNA=Fleisch)
- Migrolino: Nicht nur, dass der Name einem Vertriebskanal angeglichen ist, den ich kreierte und in einem schweizerischen Grossunternehmen – zwar weitaus weniger oft, aber dennoch – gebraucht wird. Migrolino hat genau soviel Migros, dass man nicht von arglistiger Täuschung des Kunden sprechen kann. Erwarten Sie allerdings Migrosprodukte und Migros-Preise, so haben Sie sich gewaltig ins Fleisch geschnitten. 1.5 lt Süssgetränk 3.70 usw. Bei Coop Pronto mögen Verträge mit den Pächtern im Argen sein, aber wenn ich dort einkaufen gehen sollte, so habe ich zumindest einen “Baby-Coop”.
- Fleisch: Bei weitem nicht der einzige Detaillist, der so verkauft, aber halt der, bei dem ich einkaufe. Schwammvoressen, Schrumpfschnitzeli, Spritzsaucissons, Schwimm-ghacktes, Stundenkau-Steaks, notabene zu einem weitaus teureren Preis als vor Jahren, wobei Produzenten (da weigere ich mich “Bauern” zu sagen) prozentual und oft auch real einiges weniger erhalten.
- China-Import, ich wage die ungeprüfte Behauptung, dass sicherlich 30% der Non-Food Artikel aus China kommen. Dies ist per se nicht zu verurteilen, hat aber oft mit einer gewaltigen Qualitätseinbusse zu tun. Viele dieser Artikel könnten (unwesentlich teurer) auch in der Schweiz oder Europa produziert werden, wenn denn nicht nur die Migros sondern auch andere Detaillisten mitziehen würden.
- Qualität: Die Migros unternimmt einiges, welches auch auf Nachhaltigkeit abzielt, aber es kommt nicht “rüber”.
- Profil: Heutzutage tanzt die Migros auf jeder Hochzeit mit, ohne sich irgendwo speziell zu profilieren, weder im Preis, noch in der Qualität, noch bei der Nachhaltigkeit – es gibt also KEIN Argument, vermehrt (oder ausschliesslicher) in der Migros einzukaufen.
Bedenkt man, dass dieser Zustand schon einige Jahre anhält, ist es nicht verwunderlich, wenn die Beliebtheit (respektive der Umsatz) stagniert, rückläufig ist oder einbricht. Kritik an allen anderen (komisch, die Steigern ihr Ansehen) ist hier etwa so fehlgeleitet, wie Eigenlob. Vielleicht sollte man die ganze “HSG-Abteilung” der Migros wieder einmal auflösen und dafür ein paar Macher einstellen, sowie ein Unternehmen hinstellen, welches vielleicht nicht ganz alles anbietet, dafür das, was es anbietet in unvergleichlicher “Preis-Leistung” (auch in ökologischer Hinsicht) oder noch viel effektiver in einmaliger Qualität. Als Unternehmer wäre es mir lieber, einmal stagnierende Zahlen zu liefern, weil ich verzichtet habe, Ramsch zu verkaufen, als zu jammern, dass “wir” nicht besser sein können, weil alle anderen auch schlecht sind.
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