Pleiten, Pech und Pannen
03. Dez, 2009Erst vor wenigen Tagen wurde die Schweiz wieder als demokratischtes Land der Welt gepriesen. Hier dürfen die Bürger noch tun und sagen, was sie wollen – egal wie der Rest der Welt denkt (oder wie man sich im Rest der Welt dadurch darstellt). Auch ist es interessant, wie es dann Menschen gibt, die sofort mit dem Finger auf die Weltkarte zeigen und sicherlich irgend eine “Bananenrepublik” kennen, bei der alles viel schlimmer und schlechter ist. Sollten wir nicht einVorbild sein?
In der Wirtschaft wird weiterhin die freie Marktwirtschaft als höchstes Gut des freien Unternehmertums und Handelns gepriesen und trotzdem, gerade in der freien Marktwirtschaft benehmen wir uns, als wären x-tausend Jahre der menschlichen Evolution an uns spurlos vorbei gegangen.
Einige Beispiele gefällig:
- Die Bankenkrise. Finanzinstitute konnten (und können noch immer) schalten und walten, wie sie wollen. Mittels Spekulation (wie auch ABCB zu seinem Geld kam), wurde für einige Privilegierte Geld gescheffelt, dass sich die Balken biegen. Spekulieren konnte und kann man noch immer mit allem – und wem das nicht reicht, der macht den Bankenplatz selbst zur Spekulation. Mit viel Geld kann man sich fast wöchentlich noch viel mehr Geld erwirtschaften – man beeinflusst einfach den Markt entsprechend. (Diverse spekulative Preise wie: Getreide, Kaffee, Erdöl usw.) Global ist praktisch jede Handelsware nicht mehr an einen “Gestehungspreis” gebunden, sondern rein spekulativ.
- Schweizerischer wird es z.B. bei den Bauern. Der Milchpreis. Jahrzehntelang hing der Bauer am Tropf des Staates. War sozusagen ein Staatsangestellter. Zwar ein besonderer Beamter, aber immerhin. Damit sollte teilweise Schluss sein und schrittweise wurde ihm beigebracht, dass er jetzt soviel Kühe halten darf, wie er will und soviel Milch aus den Eutern rausquetschen darf, wie er will. Der Hacken an der Geschichte, er kriegt nur noch soviel Geld, wie der Konsument (oder die Abnehmer) bereit waren, dafür zu zahlen. Sofort hat Bauer soviel Milch gemacht, dass der Preis fast ins bodenlose stürzte und was ruft der Bauer heute – zurück in den Schoss des Staates.
- Buchpreisbindung: Irgendeinmal entschied jemand – man soll Bücher zu dem Preis verkaufen dürfen, mit der Marge, mit welcher der Buchhändler sein Unternehmen noch führen kann. Es gab ein Wettrennen um die günstigsten Bücher und kurze Zeit später schreit man wieder nach regulierten Buchpreisen.
- Telefon: Aus der staatlichen Telefongesellschaft wurde eine (staatliche) Aktiengesellschaft. Dies im Rahmen der Marktliberalisierung. Es durften auch andere Gesellschaften Kommunikationsangebote anbieten. Um den Einstieg von weiteren Unternehmen überhaupt zu ermöglichen, musste die ehemals staatliche Swisscom als halbstaatliches (und betriebswirtschaftlich geführtes) Unternehmen gewisse Dienstleistungen den Mitanbietern gegen Entschädigung auch ermöglichen. Seither wurde das Unternehmen einige Male vor die WEKO (Wettbewerbskommission) gezehrt, wurde gebüsst und musste zurückkrebsen, wurde unzählige Male vor Gericht in die Schranken gewiesen und hat (ich meinte praktisch alle) Rechtshändel, die zahlreich geführt werden, verloren. Auf Kosten der Konsumenten.
- Strompreis: Reguliert bis zum “geht nicht mehr”, wurde auch dort die Marktwirtschaft eingeführt. Gott sei dank durften die Unternehmen nun auch mit ihrem Gut spekulieren. Alles wurde teuerer. Was stellt man fest? Es herrscht kein Markt – es herrscht Gewinnoptimierung.
- Fragen Sie sich auch einmal, warum in dieser Region der Benzinpreis teurer ist, als in jener (und dann bei jeder Tankstelle gleich teuer?). Also ich frage mich jeweils schon, warum das Benzin bei einer imaginären Grenze plötzlich einige Rappen teurer ist.
- Erinnern Sie sich auch noch an die Zeit, als Sie 200 Gramm “Geschnetzeltes” in ihrer Bratpfanne anbraten konnten, ohne dass Sie die “Sauce” dazu auch schon hatten?
Manchmal denke ich über solche Sachen nach – und dann verbringe ich viel Zeit, mich umfassend (und nicht so reisserisch wie hier), mich darüber zu informieren und mit den Gründen auseinander zu setzen.

