Ich habe einen Vogel

Besser gesagt, mehrere und eigentlich gehören sie nicht mir sondern sind freilebend und zu guter Letzt habe ich sie mir auch nicht wirklich gewünscht.

Aber der Reihe nach. Fast alle Storenkästen sind mit Spatzennestern belegt. Das war schon so, als ich vor einem guten Jahrzehnt in meine Wohnung eingezogen bin und eine Weile war ich mehr damit beschäftigt, Storen hoch und runter zu lassen und die Spatzen zu vertreiben, als sonstwas zu machen. Mein Erfolg war eher bescheiden und die Spatzen rächten sich damit, dass sie nachts jeweils einen riesen “Meis” veranstalteten und mir den Schlaf raubten.

Eine Storensanierung des Hausbesitzers war ebenso erfolglos, wie diverse andere Mittelchen. Die Versicherungen der Storenbauer (als sie alle Storennester ausräumten), dass die Spatzen nun vom Dach seien, gipfelte darin, dass die Spatzen schon wenige Minuten später wieder anfingen, ihr Nest wieder zu erstellen.

So habe ich mich nach vergeblichem Kampf gegen die Spatzen zu einem Zusammenleben MIT den Spatzen entschieden. Meine Aufgaben bestehen hauptsächlich darin, Fenster, Fenstersims und Storen regelmässig zu reinigen. Die Aufgabe der Spatzen liegt darin, mich nächtens nicht mehr zu wecken.

Ja – und hin und wieder setzen sie sich auf den Fensterbank vor meinem Computer und schauen mir bei der Arbeit zu – und trällern ein Lied, neigen ihren Kopf und allfälliger Ärger meinerseits ist im Nu verflogen. Dann bin ich froh, dass ich nicht nur einen Vogel habe.

Zu meinen Gästen zählten auch schon: Eine Fledermaus, die für ein paar Tage in meiner Stube lebte; Elstern, die was Glitzerndes suchen und hin und wieder landet eine Krähe auf meinem Balkon. So unbedeutend und alltäglich diese Begegnungen sind – ich geniesse sie trotzdem oder gerade deswegen.

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