Von der Alp auf den Tisch*

*Originaltitel des Migros-Newsletters vom Sonntag, 13. September 2009

Als praktizierender Migros-Kunde erhalte ich wöchentlich den Newsletter und habe natürlich diese Nachricht mit Interesse gelesen. Schliesslich war ich dieses Jahr auf unzähligen Bergen mit unzähligen Alpen und gerade letztes Wochenende vergnügte ich mich (ausgezeichnet) wieder auf einer Schlafhöhe von knapp 2000 Meter und erwanderte unter anderem die Alp Grüm.

Also gut – dann las ich da beim Newsletter:

Frisch aus den Alpen

Der Sommer ist vorbei, behagliche Stunden stehen vor der Tür. Die Migros rüstet sich für den Nachsommer. Stimmen Sie sich jetzt mit fruchtigen und schmackhaften Produkten direkt von der Alp auf den Herbst ein. Und gemütliche Abende in der warmen Stube sind Ihnen garantiert…» Mehr

Logisch drückte ich auf “Mehr” und landete bei der Migros bei der Wochenaktualität, dort gibt es folgendes zu kaufen oder machen:

  • Traubendegustation                  – Auf einer Alp – NEIN
  • Flugdrachenbasteln                  – Auf einer Alp – NEIN
  • Mischpilze                                     – von einer Alp – NEIN
  • Rotkraut                                        – von einer Alp – NEIN
  • Sauerkraut                                    – von einer Alp – NEIN
  • Rehpfeffer                                     – von einer Alp – NEIN
  • Hirschpfeffer                               – von einer Alp – NEIN
  • Morchelsauce (Beutel)            – von einer Alp – NEIN
  • Vermicellespresse                    – von einer Alp – NEIN

LIEBE MIGROS-MENSCHEN – jetzt weiss ich genau, was von der Alp auf den Tisch gekommen ist.

Postscriptum 1: Bei der Lektüre des MigrosMagazin (nein – ich habe meines explizit abbestellt) – wurde ich auch nicht weiter fündig – ausser den paar “Heidi-Produkten” – die ganz am Schluss beworben wurden und die soviel “Alp” gesehen haben, wie ein Holländer, der nie über seine Landesgrenzen hinaus kam.

Postscriptum 2: Ich fordere die Migros heraus, mir die Produkte zu nennen, die effektiv “Von der Alp auf den Tisch” (via Migrosladen) kommen zu nennen. Dafür habe ich ihnen heute eine Anfrage zugestellt mit folgendem Wortlaut:

Newsletter vom 13. September 2009
“Von der Alp auf den Tisch”
Sehr geehrte Damen und Herren

Dieser Titel des Newsletters hat mich natürlich neugierig gemacht, wie auch der kleine Beschrieb: “… Stimmen Sie sich jetzt mit fruchtigen und schmackhaften Produkten direkt von der Alp auf den Herbst ein…. ” (Zitat Newsletter)
Der Link zu diesem Artikel verweist zwar auf ein schönes Bild eines Alpabzuges hin, aber auf kein Produkt, dass nur annähernd direkt von einer Alp stammen könnte.
Deswegen meine Fragen:
1. Gibt es in der Migros überhaupt ein “Standard-Produkt”, dass DIREKT von der Alp auf dem Tisch landen könnte. (Ohne Weiterverarbeitung im “Tal” oder ähnlichem).
2. Ist ein solches Produkt landesweit erhältlich.
3. Wie hoch und wo würde sich diese Alp befinden.
4. Wie ist diese Alp erschlossen (LKW, Fabrik usw)
5. Welches Produkt/welche Produkte hätten mit dem Titel des Newsletters, respektive “Link” beworben werden sollen.

Mit freundlichen Grüssen
…..

Versandt: Montag, 14. September 2009, 15.10 Uhr über das Kontaktformular der M-Infoline

Interessant wird nicht nur die Antwort sein, sondern vielmehr auch noch das Handling, d.h. wann und wie ausführlich die Migros dazu antworten wird. Sie werden es erfahren.

Edit: Natürlich hat die Migros ihre “aktuelle Seite” am Dienstag auch den Aktionen angepasst, jetzt werden dort einige “Heidi”-Produkte beworben. Dass die Migros ihre Produkte (Milchprodukte) nur mit “Bergmilch” deklariert, oder Bergkäse oder ähnlichem hat folgenden Grund: Nur Milch von der Alp, welche auf der Alp zu den Milchprodukten verarbeitet wurde, darf den Namen “Alpkäse” verwenden. “Bergmilch” hingegen wird in etwa von 40% der Schweizer Kühen “produziert”, wie auch ca. 40 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche in den Bergzonen liegt. Zudem werden Heidi-Milchprodukte (ausser Bergkäse) zentral verarbeitet. Während die teureren “Heidi”-Produktepreise suggerieren könnten, dass sich die Migros auch finanziell für die Bergregionen einsetzt, wird dies z.B. auf der Homepage der Elsa (Milchverarbeitung Migros) explizit verneint.

Während “Heidi”-Fleischprodukte bei der Firma Spiess hergestellt werden – die ebenfalls eine fast rührende “Familiengeschichte” wert waren in einem diesjährigen Migros-Magazin. Dumm ist nur, dass die Firma Spiess zu 100 % der Orior Gruppe gehört, welche wiederum von der Capvis kontrolliert wird. Capvis ist eine reine Finanzinvestorengesellschaft mit Beteiligungen an Phonak, Stadler Rail, WMF, de Sede usw. 13% des Capviskapitals kommt aus der Schweiz.

So funktioniert das “Berg-Heidi-Image”.

(Quellen: Migros, Elsa, SAB (Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete), admin.ch, orior.com, capvis.com usw.)

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2 Kommentare

  1. Monica
    Geschrieben 14. September 2009 um 18:09 | Permalink

    So aus Erfahrung würde ich sagen, da kannst du lange- ewig auf eine Antwort warten . :-)
    Bin gespannt.

  2. Geschrieben 15. September 2009 um 11:10 | Permalink

    Ja, denke ich auch – folgendes Gespräch neulich (vereinfacht) mit dem Kundendienst der Migros:

    Kundin: “Ich möchte gerne wissen, wann XY geliefert wird, versprochen war es letzte Woche.”
    M-Infoline: “Rufen Sie die Nummer an, die auf ihrem Bestellschein steht.”
    Kundin: “Da nimmt aber niemand ab, ich habe es x-Mal versucht.”
    M-Infoline: “Sie müssen halt zwischen 8 und 12 Uhr anrufen.”
    Kundin: “Ich weiss, soweit ich erkennen kann ist jetzt etwa 10 Uhr morgens.”
    M-Infoline: “Ahh ja. Stimmt. – Ich versuche Sie zu verbinden.”
    M-Infoline: “Hhmmm – da nimmt niemand ab….”

    Die Anfrage konnte TELEFONISCH NICHT gelöst werden. Wackeldackelmarsch zum Kundendienst in der Filiale.

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