Überraschenderweise hat es heute Morgen bereits wieder im Posteingang gerasselt. Der stellvertretende Leiter der M-Infoline hat geantwortet. Kurz, bündig und informativ. Hier ein Auszug des Antwortschreibens:
Der Slogan “Von der Alp auf den Tisch” war zugegeben für die gezeigten Herbstprodukte nicht sehr passend.
Leider ist uns hier ein Fehler unterlaufen und die geplanten Produkte waren zur Versandzeit des Newsletters noch nicht auf der Seite platziert. Eigentlich wären dort Artikel der Marke Heidi vorgesehen gewesen, die ja wirklich aus Berggebieten stammen. Edit: aber NICHT von der Alp
Wir bitten Sie um Entschuldigung für den fehlerhaften Newsletter. Gerne beantworten wir im Folgenden Ihre Fragen zu den Alpprodukten der Migros.
Grundsätzlich regelt die Berg- und Alpverordnung des Bundesamtes für Landwirtschaft (910.19, Art. 8), wann ein Produkte mit dem Zusatz „Alp“ oder „Berg“ gekennzeichnet werden darf. Demnach müssen die Rohstoffe aus dem Sömmerungsgebiet kommen; dabei darf „Alp“ auch verwendet werden für:
a) Milch: wenn die Verarbeitung zu genussfertiger Milch ausserhalb des Sömmerungsgebietes erfolgt; Edit: Stimmt, wenn die Alp keine Verarbeitungseinrichtung hat, muss nachgewiesen separat verarbeitet werden.
b) Käse: wenn die Reifung ausserhalb des Sömmerungsgebietes erfolgt.Alpkäse wird somit auf der Alp hergestellt und oft auch zwischengelagert. Weil viele Alpen im Winter aber nicht erschlossen sind und die Käse oft mehrere Monate reifen müssen, werden sie in Lagern in anderen Zonen aufbewahrt. Diese Lagerung ist keine Weiterverarbeitung.
Wie hoch die landwirtschaftlichen Zonen liegen, damit sie als Alp bezeichnet werden, ist unterschiedlich. Dies hängt nicht nur von der Höhe (ungefähr ab 1500 m.ü.M.), sondern auch von der Lage und der Topografie ab.
Die Produkte, die die Migros unter dem Heidi-Label verkauft, sind Bergprodukte. Die Migros verkauft kein Produkt aus den Alpen, das landesweit erhältlich ist. Dies deshalb, weil das Angebot zu gering und nur saisonal erhältlich ist. Bei den Heidi-Bergprodukten stammt der Hauptrohstoff (Milch, Fleisch) zu 100% aus dem Schweizer Berggebiet gemäss Berg- und Alpverordnung (Bergzonen 1-4). Die Weiterverarbeitung zum Beispiel zu Joghurt oder zu Käse darf dann aber in anderen Zonen geschehen. Die Migros bezieht die Milch dazu aus dem Berggebiet von verschiedenen Regionen in der Schweiz.
Soweit die Ausführungen – womit ich mich zufrieden gebe. Wieso die Migros keine “Alp-Produkte” verkauft (und dies saisonal begründet), verstehe ich nicht ganz, gibt es doch diverse Artikel, die in der Migros nur saisonal erhältlich sind. Ich denke hier steht eher der kommerzielle Aspekt im Vordergrund.
Mein Fazit: Von der Alp auf den Tisch – nicht bei der Migros.
PS: Die Coopzeitung preist diese Woche das Engadiner Bergjoghurt an. Ich möchte jetzt das Engadin nicht abwerten oder schlecht machen, aber die Milchbetriebe, die ich kenne, da könnte noch der einte oder andere Talbauer neidisch werden. Zudem ist es so, dass in einigen Gebieten das Mähen von nicht maschinell mähbaren Wiesen nicht mehr stattfindet, das Land also vergandet. Zudem wird das geschnittene Gras auch selten zu Heu getrocknet, sondern meist in die Plastikballen verschweisst.

