Innerschweizer Medienwirbel

Wenn einer eine Reise tut – und das tat René Kuhn – dann soll man auch darüber berichten. Der Präsident der Stadtluzerner SVP hat dabei sozusagen parteiinternen Verrat betrieben und ist in ein ehemaliges kommunistisches Land gereist und musste feststellen, dass er im Reich der Amazonen gelandet war. Inmitten ewigjunger, aufreizender Weiblichkeit fühlte er sich wohl. Wohin auch sein Auge wanderte, er war umgeben von lauter Missen-Ex-Kommunismus. Die drei Wochen Aufenthalt in einer sonst vom Kommunismus gezeichneten Grossstadt war geprägt von holder Weiblichkeit, kunstvoll geschminkt, aufreizend gekleidet – ach das wahre Schlaraffenland für sonst so geschädigte Luzerner Politikeraugen.

Linke, verfilzte, ungepflegte Vogelscheuche (Symbolbild)

Leider kam es, wie es kommen musste, er kehrte zurück in die demokratische, gutbürgerliche Stadt Luzern und seine Augen wurden aufs Schlimmste malträtiert – Frauen jeglicher Altersklasse bevölkerten die Gehsteige und Gassen, einige davon sogar ohne die – während der Fasnachtszeit obligate – Schminke. Es soll sogar Luzerner Frauen geben, die an den Ufern des Vierwaldstättersees flanierten und dabei den “Dresscode” (aufreizend – figurbetont) in Lumpen gekleidet aufs Schändlichste missachteten. Wobei dies noch nicht die Spitze aller Beleidigungen für die Politikeraugen war. In der kapitalistisch orientierten Zentralschweizer Stadt soll es sogar Frauen geben, die es noch wagen, ohne Schmuck herumzulaufen, obwohl nur “Schmuck” ihre Weiblichkeit noch zu retten vermöge. Der absolute Unweiblichkeits-Gipfel des so geplagten Politikerauge seien aber grauhaarige Frauen, die nichts gegen ihre Grauhaarigkeit und die Kaschierung ihres Alters unternehmen würden.

Für René Kuhn ist klar – diese “verfilzte” (Originalausdruck R.K.) Weiberschaft, diese ungepflegte Brut Frauen ist “Links”. Kann nur Links sein. Die Linken sind das Übel aller Unweiblichkeit. Und nur Linke ausgelumpte, verfilzte Gruselkabinett-Frauen benützen Veloanhänger um Einkäufe oder ihren Wurf zu transportieren. (Spätestens hier frage ich mich, wie man auf solche Kausalzusammenhänge kommt).

Nach dieser Elogie auf Ex-Kommunismus-Weiblichkeit und Links-femininer-Hässlichkeit wird dem obersten Stadtluzerner SVP-Glatzen-Mensch wohl ein durchschlagendes Wahlergebnis aller (Schweizer) Mannen gewiss sein – können wir doch alle seine Empfindungen nachvollziehen. OK – nur teilweise, da die wenigstens von uns das ex-kommunistische Weiber-Schlaraffenland besucht haben – aber auf heimischen Pfaden bewegen wir uns ja täglich.

PS1: Gemäss der Rechtfertigung von René Kuhn gibt es in seinem Verwandten- und Bekanntenkreis zum Glück keine verfilzte, verlumpte, schmucklose, ungeschminkte, grauhaarige Gruselkabinett-Frau.

Kursiv=Originalausdrücke des René Kuhn

Wortrepetoire im Zusammenhang mit Frau=ausgelumpt, ungepflegt, verfilzt, Gruselkabinett, dumm, Vogelscheuchen

PS2: Die Initiative “Verbot von verfilzten veloanhängerziehenden Velo”Weibern”" wird im Herbst lanciert und soll gemäss ersten Gerüchten von mehreren Parteien unterstützt werden.

Hier noch die Quellen: Homepage René Kuhn, der Artikel ist (zumindest von mir) nicht mehr auffindbar, hier eine Abschrift und hier noch die (vom Regen in die Traufe) Rechtfertigung (Edit: 11.8.09-diese Seite wurde von Herrn Kuhn ebenfalls entfernt) des Herrn Kuhn

Edit 11.8.09 – Dafür darf man jetzt beim Tagesanzeiger-Online noch ein bisschen tiefer im Sumpf wühlen und erfährt unter anderem auch, dass dieser liebe Herr Kuhn schon mal “Frauenhändler” war. Passt irgendwie alles zusammen.

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2 Kommentare

  1. Geschrieben 12. August 2009 um 09:59 | Permalink

    *ex-kommunistische Weiber-Schlaraffenland* … ist fast so gut wie das Symbolbild :-)

    … und es könnte ja auch sein, dass die Leute dort gar kein Geld haben für Veloanhänger …

  2. Geschrieben 12. August 2009 um 14:45 | Permalink

    …oder vielleicht daran, dass die schmuckbehangenen, kolorierten und in Designerkleider aufgetakelten Schönheiten beim Velofahren um ihr kunstvoll gefärbtes Haarkleid fürchten und deshalb den Drahtesel links liegen lassen und lieber den Haus-Esel noch ein bisschen schröpfen.

One Trackback

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