Am 15. Januar gab es offiziell keine Tickets mehr für die 12. Ausgabe des Snowpenairs. Auf dem Programm standen Uriah Heep und Joe Cocker, sowie als Stimmungsmacher die Lokalband Hamster und DJ Alex.
Ein regelrechtes Risikospiel ist ein solcher Anlass auf jeden Fall – bei 2061 Meter über Meer, die Chance, dass ein kalter Schneesturm das Ganze vermiest, latent. Aber auch, wenn Bucheli ein paar Schneeflocken vermeldet, es war schön, warm und für den Rest sorgten die Bands.
Uriah Heep – für mich aus meiner Jugendzeit zwar ein Begriff, aber nicht viel mehr, rockten was das Zeugs hält. Obwohl von den Gründungsmitglieder (1970!) nur noch der Leadgitarrist Mike Box mit dabei ist, vermochte die Band um den Leadsänger Bernie Shaw – der für seinen Auftritt ein T-Shirt mit riesigem Schweizer Kreuz trug – mit ihrem melodiösen Hardrock zu überzeugen. Die fantastische Openair Arena auf der Kleinen Scheidegg mit den gut 8000 Besuchern zeigte sich begeistert, meine Doppel-4 wäre wahrscheinlich in etwa das Durchschnittsalter, dass sowohl nach unten, wie auch nach oben das ganze Spektrum abdeckte. Uriah Heep, die selbstverständlich ihr 2008 erschienenes Album “Wake the Sleepers” promoteten, schlafen nicht, sie zogen Ihre Playlist durch und zeigen sich vielleicht um einiges gemässigter als vor knapp 40 Jahren, aber keineswegs alt.
Nach einer kurzen Pause kam “ER”, 1963 hängte er seinen Beruf an den Nagel, um mit seiner zweiten Band sich voll der Musik zu widmen. Seither hat er Höhen und Tiefen erlebt, sich aufgefangen und wurde im Jahr 2007 sogar geadelt. Und um es gleich vorneweg zu sagen – Ja, seine Stimme hat ein paar Mal geschwächelt, er kämpfte sichtlich mit der trockenen Luft – aber die Anwesenden haben Ihn gefeiert, Mister Sheffield himself, Joe Cocker OBE. Ich habe keine Ahnung, wieso er mit (reizenden) farbigen Backgroundsängerinnen und einer farbigen Leadgitarristin rumtourt – interessiert eh niemand, umsomehr wird dieser Mann mit seiner unvergleichlichen Stimme bejubelt. Seit Woodstock, 1969, sind seine verkrampften und zuckenden Hände ein Merkmal, noch heute geht dies mit Joe Cocker wie Butter zum Brot. Joe Cocker bot genau das, was die 8’000 Fans von ihm erwarteten und einmal mehr hat er es genau so gebracht, dass er sich auch beim nächsten Mal seiner Fangemeinschaft gewiss sein kann. Bezeichnenderweise waren die Songs, die er sozusagen “solo” auf der Bühne performte (“You are so beautiful” und die letzte Zugabe) etwas vom Feinsten. Seine Sängerinnen vermochten mich mit den Gesangseinlagen nicht wirklich zu begeistern, aber auch dies ist schnell vergessen, wenn man an seine stimmlichen Leistungen bei “With a little help from my friends”, “N’oubliez jamais”, “Unchain my heart”, “Up, where we belong”, “You can leave your hat on”, “When the night comes” und wie die Titel alle heissen, denkt. Joe Cocker war einmal mehr die Reise wert.







Das Snowpenair, gesponsort von Coop, den Jungfraubahnen und weiteren Unternehmen ist ein sicherer Wert für ein tolles Ambiente, die Infrastruktur gut, das Erlebnis am Fusse der Eigernordwand, mit dem Eiger, Mönch und Jungfrau als Kulisse unvergleichlich, das Angebot an Verpflegungsständen vielfältig. Die Verschiebung der Act-Zeiten um eine halbe Stunde nach vorne ist zwar verständlich, aber hat irgendwie den “letzten Kick” genommen, den letzten Song mit den letzten Sonnenstrahlen zu geniessen. Nach einem -wiederum- gelungenen Anlass im Jahr 2009 darf man gespannt sein, was den Marketingleuten für die 13. Ausgabe einfällt. Klar ist, dass man sich bereit im November, Dezember dieses Jahres um Bilette bemühen sollte, weil bereits Anfangs bis Mitte Januar bleibt einem nur noch der Umweg über die Versteigerungsplattformen. (Dieses Übel ist ja mittlerweile chronisch und praktisch bei allen Veranstaltungen Usus.)



2 Kommentare
mehr Bilder vom Snowpenair 2009 gibt es hier:
http://www.flickr.com/photos/incuboy/sets/72157616536222302/
Danke für den Link – gute Stimmungsfotos.