Roger Köppel & Weltwoche

In der Arena vom vergangenen Freitag bereits realisiert, heute auf DRS 3 nochmals gehört. Roger Köppels bedingungslose Liebe zu Christoph Blocher trifft man heutezutage sonst nur noch am Stammtisch nach dem 5ten Bier. Da wird eine Loblied auf ABCB angestimmt, welches sowohl inhaltlich, wie auch faktisch nicht gerechtfertigt ist. Jetzt halt auch noch für die Weltwoche zum Nachrecherchieren. Christoph Blocher ist ein guter Redner, ein Populist und Antreiber, ein Agitator. Dies kann man ihm nicht abstreiten. Auch hat er mit klugem Wirtschaften ein Vermögen erarbeitet (erhandelt), welches nicht von schlechten Eltern ist.

Ist Christoph Blocher mehr? Ja, eine (unbedachte) Identifikationsfigur für die einen, ein unbequemer Zeitgenosse für die anderen.
Hat Christoph Blocher in der Politik wirklich etwas bewirkt? Hat er ein Volk geeint? Bei objektiver Betrachtung darf man zweifelslos feststellen, dass Christoph Blocher sehr oft die Zeichen der Zeit ein bisschen früher erahnt hat und unter geschickter Ausnutzung dieser Tendenzen Stimmung gemacht hat. Zweifel am EWR (Europäischen Wirtschaftsraum) hat CB bereits 1992 so geschickt gestreut (mit Argumenten eines EG-Beitrittes), dass die damalige Abstimmung bachab ging. Er professionalisierte die latente Angst der Schweizer Bürger vor allem Fremden. Geschickt wurde Stimmung gemacht gegen Ausländer – während sein Unternehmen überdurchschnittlich viele Ausländer beschäftigte. Mit markigen Worten oder suggerierenden Plakaten wurden oft Einzelfälle zur “Norm” erhoben und damit Stimmungsmache betrieben.
Dass Andersdenkende in der Hochblütezeit der SVP konsequenterweise ebenfalls niedergemacht wurden, half beim Popularisieren.

Wieso kann ein solches Phänomen überhaupt eintreten? Für eine Erklärung muss man nicht weit suchen. Der Mensch ist ein genügsames Wesen, bequem und je länger, je mehr phantasielos. Mit der Genügsamkeit lahmt ebenfalls die Bereitschaft, eine eigene Meinung zu bilden. Eines bleibt dem Menschen aber erhalten, gerne profiliert er sich mit einer Identifikationsfigur um nötigenfalls eine Meinung vertreten zu können. CB war ein lauter Rufer, mit einfachen Worten, der geschickt Schlagworte in die Runde warf. Alles was ein genügsamer Mensch braucht um ungeprüft eine eigene Meinung zu haben. Darauf basiert der Erfolg rund um CB.

Würde Roger Köppel mit seiner Weltwoche versuchen einen neutralen politischen Leistungsausweis für CB zu erstellen, würde der Chefredaktor schnell realisieren, dass das Profil höchsten für eine mittelmässige Beurteilung reichen würde.

Abschliessend noch einige Worte zu Roger Köppel und seinem Begriff von “Ämtlisuchern”. Ist ein 68 jähriger Altbundesrat nicht das beste Beispiel für eine solche Theorie? Soll wirklich ein “Rentner” (nichts gegen Renter als solches) weiterhin die Geschicke der Schweiz in führender Position leiten? Gibt es effektiv keine jüngeren SVP Mitglieder, die fähig sind?

In einem sind wir uns aber einig, alles andere als eine Nomination von Christoph Blocher würde der SVP Glaubwürdigkeit entziehen. Dies darf man aber nicht den 70% Anderswählenden zum Vorwurf machen. Damit muss die Partei zurechtkommen. Möglicherweise ist die Zeit reif für die SVP, eine “Nach-Blocher-Zeitrechnung” einzuführen. Passt nicht allen, ist aber früher oder später sowieso notwendig.

Bevor die SVP am 10. Dezember zum grossen “Beleidigt-Sein” aufruft, soll man auch nochmals allen SVP-Symphatisanten in Erinnerung rufen, dass auch die SVP gegen offizielle (Bundesrats)-Kandidaten war oder Bundesräte wählte, die Ihrer Meinung nach besser ins Bild ihrer Politik passten. Auch Christoph Blocher braucht mindestens 50 % der Stimmen (so funktioniert Demokratie) und weiss man bereits im Voraus, dass man diese 50 % nicht erreicht, könnte man ja konstruktiv vorwärtsschauen und nicht schon Wochen voraus sich aufs Wundenlecken konzentrieren. Eigentlich haben damit alle anderen Parteien der SVP geholfen, indem sie klar kommunizierten, wer für sie nicht wählbar ist. “Täubele” nannte man es zuhause, wenn man etwas haben wollte, dass einem explizit nicht erlaubt oder möglich war.

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