Alle die Anderen

…sind Schuld, wenn etwas nicht klappt. Von diesem Grundgedanken bin ich eigentlich nie beseelt gewesen. Ob man selbst es selbst schafft, ist da eine ganz andere Frage.

Die SVP hat sich entschieden, allen anderen Parteien den Schwarzen Peter zuzuschieben und in die Welt hinauszumeckern (Ziegen wie Zottel meckern), wie ungerecht gerade sie vom Rest der Schweizer Politik behandelt werden. Wohlan, das ist ja nichts Neues und allmählich haben die politischen Gegner auch wieder genug Eigenständigkeit um diesen Attacken mehr oder weniger gelassen gegenüber zu stehen.

Wie sie aber ihren “almighty” Blocher in den Götterolymp erheben (ja genau der, welcher sein erstes Unternehmen zumindest unfair ergatterte und seither nicht viel anderes macht) ist schon erstaunlich – noch erstaunlicher ist aber, wie viele Exponenten den wählbaren SVP Kandidaten (egal wer auch immer) bereits jetzt mit Häme und “2. Wahl” niedergemacht werden. So gesehen braucht es von allfälligen SVP Bundesratskandidaten (neben Blocher) eine gesunde Portion masochistischer Selbstbefriedigungssucht, um sich überhaupt aufstellen zu lassen.

Aber wie sieht überhaupt die Zukunft aus? Roger Köppel von der Weltwoche muss sich wahrscheinlich schon bald fette Schlagzeilen der Entschuldigung drucken lassen, plädierte er doch ganz klar, dass die SVP ein Einerticket mit Blocher fährt. Anfangs 2008 gab es für die SVP nur die (selbstgewählte) Opposition, Ende 2008 nur die Mitregierung, im Frühjahr die Unterstützung der Abstimmung über die Erweiterung der Personenfreizügigkeit (von CB erkämpft), im Herbst die von gleicher Person inizierte Ablehnung derselben Abstimmung.

Nun braucht es keine Kaffeesatzleser um ausrechnen zu können, dass in der momentanen Wirtschaftslage für Herr und Frau Schweizer der Blick nach Osten eher gemischte Gefühle hervorruft. Und obwohl die bisherige Freizügigkeit die Schweizer nicht in Slums getrieben hat, wird wohl eher eine ablehnende Haltung eingenommen. Dass eine Ablehnung dieser Abstimmung uns wieder ins Steinzeitalter der Zusammenarbeit mit der EU wirft, verschweigt die SVP gefliessentlich, ganz zu schweigen von den immensen Kosten, die uns damit in den nächsten Jahren direkt und indirekt wieder entstehen.

Die globale (Banken-)Krise beweist zumindest eines, die Schweiz ist KEINE Insel auf der Weltkarte, wir sind ein Teil der Welt, von Europa und des westlichen Kapitalismus. Ausgerechnet Christoph Blocher war ein Mitbegründer des übertriebenen Renditedenkens in der Schweiz und hat seine Milliarden unter anderem mit dem heute so arg kritisierten Geschäftsmodell erwirtschaftet. Ob man da einen offenen Blick für die Zukunft hat, sei zu bezweifeln.

Ob die SVP auf der blocherschen Linie mitregiert oder opponiert spielt wohl keine grosse Rolle – solange alles mit Füssen getreten wird, was nicht 150 Prozent blochergeclont ist – vergisst sie einige der wichtigsten Regeln des Zusammenlebens.

Einer der interessantesten Ideen wäre übrigens wirklich, wenn Bundesräte aus der Partei austreten müssten – dann könnten nämlich 7 Personen an einem Tisch an Lösungen arbeiten und nicht aus Parteigründen Lösungen verhindern. An der Zukunft arbeiten heisst gemeinsam nach Lösungen suchen und nicht möglichst lange mit Eigeninteressen etwas verhindern.

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