Meine Liebe zu Schottland

Schottische LandschaftSchottische LandschaftEs begann vor knapp 40 Jahren. Meine erste Reise nach England. Dort durften wir - Kinder - im Garten einer Schottin nächtigen. Das hatte damals nichts mit dem sprichwörtlichen Geiz der Schotten zu tun, sondern einfach mit dem Umstand, dass eine sechsköpfige Familie nicht im Haus unterzubringen war.

Diese Lady - eine geborene Melville - hatte schon damals eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Sie war die Tochter des  ehemaligen Besitzers der Reifenfabrik "India of Inchinnan", ehemalige Tochter des Besitzer einer Insel auf dem Loch Lomond und Tochter und später Besitzerin der grössten und besten Truthahnfarm in England.

Die Wirtschaftskrise irgendwann in den 30-er Jahren nahm der Familie die Reifenfabrik und die Insel und die Familie zog in den Süden, nach England. Im County Buckinghamshire fanden sie eine Farm, welche bald zur schönsten Truthahnfarm Englands prosperierte. So durften sie zweimal den Weihnachtstruthahn dem damaligen Premier, Sir Winston Churchill an die Downing Street liefern. Dankesschreiben zeugen davon. Eine Seuche unter den Tieren machte das Farmen ein erstes Mal zu einer Herausforderung für die Familie, welcher der Vater nicht mehr ganz stand hielt. Trotzdem erholten sie sich nochmals, bevor eine zweite Welle nochmals alle "Turkeys" dahinraffte und sie fortan in einem Nebengebäude der stattlichen Farm wohnen mussten.

Gegen Ende der 60-er Jahre eröffnete die - von den Schicksalsschlägen geprägte, aber ungebrochene Frau - ein Cafe und ein dazugehörendes Partyservice-Unternehmen und dank den noch immer intakten Verbindungen gelang es, das Geschäft gut zu positionieren. Zu den Kunden zählten nicht nur Geschäftsverbindungen wie Rotary und Freimaurer zu den Gästen dieser Anlässe oft auch was Rang und Namen hat(-te), bis hin ins Königshaus.

Bei meinem zweiten Aufenthalt und allen nachfolgenden Besuchen (dann alleine), durfte ich nicht nur als "Beobachter" anBreamar CastleBreamar Castle solchen Anlässen dabei sein sondern erlebte auch Aristokratie, Royals, Regierung und High Society . Etwas, dessen Wert, Sinn und Bedeutung mir leider erst viel zu spät bewusst wurde. Unzählige Gespräche und Erinnerungsstücke weckten in mir aber auch die Sehnsucht, einmal Schottland zu erkunden.

2001 packte ich Chance und verbrachte wunderbare Tage in Schottland - mit dem Gedanken spielend, dass ich die Dame nochmals zu ihren Wurzeln zurück mitnehme, dann, wenn ich die Gegend einmal kenne. Gleichzeitig lief die Renovation von India of Inchinnan und die Dame wäre eingeladen gewesen, am offiziellen Eröffnungsakt teilzunehmen. Diesem Ansinnen, wie auch meiner Idee wurde ein Riegel vorgeschoben mit dem unerwarteten Tod knapp ein Jahr vor der (verspäteten) Neueröffnung.

Spätestens nach dem erneuten Besuch Schottlands im Jahr 2008 würde ich - wären mir die finanziellen Mittel gegeben - jederzeit für immer nach Schottland ziehen.